Begegnungen

Liest man in den Tagebüchern verschiedener Konzilstheologen, so fällt in den Tagen vor Beginn des Konzils, als die Konzilstheologen und Bischöfe allmählich anreisen, aber auch während der Konzilssessionen die häufige Wiederkehr bestimmter Formulierungen auf. Es handelt sich um einfache Wendungen wie «ist gekommen, um mich zu sehen/treffen», «heute morgen habe ich gesehen», «will mich treffen», «Besuch von», «hat mir erzählt» usw. Im Französischen steht manchmal kurz und bündig: «Vu NN»: «Ich habe NN gesehen/getroffen». Briefe werden (auch innerhalb von Rom) geschrieben; ein reges Netz von Beziehungen entsteht und wird gepflegt.Bald werden während des Konzilsgeschehens auch Bischöfe daran beteiligt sein. Bischof Elchinger diagnostiziert zwar: «Wir sind zusammengekommen in Rom, ohne uns gekannt zu haben» (A 1,560). Doch bereits im Vorfeld ist das Bewusstsein entstanden, dass der Mangel an Beziehungen schädlich ist. So erzählt Bischof François Marty bereits im April 1961 Yves Congar von der Kommissionsarbeit und meint: «Es wird davon etwas bleiben. Die Bischöfe haben Geschmack daran gewonnen, sich zu sehen, miteinander zu sprechen. Wir haben seit Jahrzehnten viel verloren, da wir uns nicht gesehen haben. Man müsste regelmässige Begegnungen haben» (Co 1,54). Gleich mit Konzilsbeginn (insbesondere nach dem 13. Oktober 1962) beginnen die Bischöfe sich zu organisieren, untereinander zu beraten, Konferenzen abzuhalten, sich von Theologen beraten zu lassen. Damit entsteht die bischöfliche Kollegialität, noch bevor von ihr theoretisch die Rede ist. Die luzide Unterscheidung Yves Congars zwischen einer schriftlichen Befragung, die nur vermeintlich «eine Art schriftliches Konzil» ist, und einem echten Konzil bewahrheitet sich. «Es gibt kein Konzil ausser in der wirklichen Versammlung der Bischöfe, die freie Diskussion und Entscheidung einschliesst» (Co 1,10). Die Begegnungen ausserhalb der Konzilsaula haben an den Entwicklungen entscheidend mitgeschrieben.(emf)

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