3. Advent: Gaudete

Müssen wir uns freuen?Konservativ wie ich bin finde ich es schade, dass der heutige 3. Advents-Sonntag nicht mehr seinen früheren Namen trägt: Gaudete-Sonntag. Der Ausdruck Gaudete kommt vom lateinischen Anfangswort des Introitus/Stufengebetes: «Gaudete in Domino semper», «Freut Euch im Herrn allezeit!» Wer der 1. Lesung aufmerksam zugehört hat, erinnert sich, dass diese auch mit den Worten beginnt «Freuet euch.»Nun, mit dem Aufruf zur Freude ist es so eine Sache. Ich erinnere mich an Osternachtsfeier, in welcher der Pfarrer mit ernster Stimme sagte: «Wir wollen uns freuen. Wir wollen uns so richtig freuen.» Die Worte klangen eher wie ein unerfreulicher Befehl. Am liebsten hätte ich geantwortet: «Auch das noch müssen wir.»Nein, Freude lässt sich nicht befehlen. Sie kommt von Innen heraus. Darum: Haben wir hier und heute Grund zur Freude? Eine naheliegende Antwort: Weihnachten ist nahe. Die Kinder freuen sich sehr darauf. Und wir Erwachsene? Viele sagen: «Ich wäre froh, wenn Weihnachten schon vorbei wäre.» Denn der Advent ist heutzutage kaum mehr eine Zeit der Stille, eher eine Zeit des Stresses. Eine Zeit des Müssens:»«¢ Man muss viele, möglichst originelle, teure Geschenke einkaufen»«¢ Man muss den Christbaum möglichst kreativ schmücken»«¢ Man muss sich ein Festtags-Menü einfallen lassen. Usw. Ja, muss man wirklich? Ginge es nicht etwas einfacher? Und überhaupt: Wer sagt, dass «man» muss? Wenn jemand sagt «Man muss» sagt eine Bekannte von mir: «Der Man ist tot.» Seien wir ehrlich: Meistens ist es nicht ein Jemand, der uns vorschreibt, was wir müssen. Wir selber sind es.Wie oft habe ich mich schon ertappt beim Gedanken, etwas unbedingt zu müssen.»«¢ z.B. Ich muss mit dieser Arbeit heute Abend fertig sein. Und dann fällt mir ein, dass mir niemand dies vorschreibt. Morgen habe ich auch noch Zeit.»«¢ oder ich bin auf Besuch, schaue auf die Uhr: «Ich muss gehen. Denn ich muss in einer Stunde zuhause sein.» Doch da fällt mir ein: Ich selber habe mir diesen Zwang auferlegt; niemand hindert mich, noch einige Minuten zu bleiben, weil wir es gemütlich haben oder weil der andere mich braucht, um seine Sorgen loszuwerden.…Wir haben darüber nachgedacht, warum wir selber die Ursache sind, wenn wir uns nicht freuen können: Weil wir unsern selbstauferlegten Zwängen erliegen.Wenn wir positiv nach dem Grund unserer Freude suchen, kann uns die 1. Lesung/Jesaja weiterhelfen: «Der Geist Gottes ruht auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat.» …..Stans, Kapuzinerinnenkloster St. Klara, SO 9.30 Uhr

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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