Manche Bücher hat man selbst schon vorgelesen bekommen. Kinderbücher, die man heute dem eigenen Sohn, der eigenen Tochter vorträgt. Dazu gehören mit Sicherheit auch die Geschichten, deren Inhalte Otfried Preussler aus dem Sagenschatz seiner böhmischen Heimat schöpfte: Der kleine Wassermann, Die kleine Hexe, Das kleine Gespenst, der Krabat und eben auch die Trilogie vom Räuber Hotzenplotz. Die wunderbar frechen, in ruhigem Ton erzählten Geschichten der beiden Freunde Kasperl und Seppl, die den bösen Räuber am Ende zu einem guten Menschen machen, haben mehr als nur ihr Geburtsdatum – das Jahr 1962 – mit dem Konzil gemeinsam.
In der Süddeutschen Zeitung war anlässlich des Jubiläums zu lesen: «Als der Räuber Hotzenplotz vor fünfzig Jahren zum ersten Mal in Grossmutters Garten auftauchte, war er noch der Vorreiter eines neuen Geistes, der damals gerade die Gesellschaft erfasste und dann auch die Literatur für Kinder. […] Nicht Disziplin, sondern Ermächtigung war das Credo im Umgang mit Kindern. Kasperl und Seppl waren […] gerade deswegen unschlagbar, weil sie sich selbst einen Weg suchten, mit den Mächten und Ängsten des Lebens fertig zu werden. Und dieser Weg hiess nicht mehr Gehorsam, sondern die eigenen Stärken zu entdecken» (SZ vom 1. August 2012, 14).
Auch eine Kirche des Konzils setzt nicht mehr primär auf Disziplin und Gehorsam, sondern auf Ermächtigung. Und zwar im Entdecken eigener Stärken ad intra (LG 12: «Charismen») ebenso wie auch fremder Stärken ad extra (GS 44: «Hilfen, welche die Kirche von der heutigen Welt empfängt»). Ziel des Ganzen ist das, worum es Gott mit der Vollendung seiner Schöpfung geht: das gute Bestehen des Lebens aller in ihren Mächten und Ängsten – man könnte dazu auch Pastoral sagen. (Christian Bauer)
Konzilsblogteam
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