Latein als Konzilssprache

Bereits zwei Wochen nach Konzilsankündigung wird dezidiert die Erwartung geäussert, die Konzilssprache würde zweifellos das Latein sein. Dies wird ekklesiologisch mit dem Primat Roms und der Autorität des Papstes begründet. Vereinzelt melden sich jedoch Stimmen, die den Gebrauch der Landessprache in Einzelfällen befürworten. Auch die Praxis von Simultanübersetzungen wird erwogen. Gemäss Léon Joseph Kardinal Suenens hätten aber die «technischen Dienste» verlangt, dass die Redetexte fünf Tage im Voraus vorliegen müssten, was nicht praktikabel gewesen wäre (vgl. Su 125).
Einspruch gegen die ekklesiologische Argumentation erheben Augustin Kardinal Bea und der melkitische Patriarch Maximos. Kardinal Bea äussert in einem Kontext, der die Liturgiesprache Latein betrifft: «Wir müssen uns mit aller Entschiedenheit gegen die Auffassung wehren, dass Latein ein Zeichen der Einheit sei. Es ist eher ein Zeichen von Uniformität als ein Zeichen der Einheit» (zit. A 1,249). Henri de Lubac notiert, Patriarch Maximos habe in der vorbereitenden Kommission verlangt, sich französisch ausdrücken zu können, da er seit 60 Jahren kein einziges Wort Latein gesprochen habe, und Lubac sinniert: «man fragt sich, wie er sich auf dem Konzil äussern wird» (Lu 1,122f). On verra, und zwar am 20. Oktober 1962.
Die Konzilsordnung wird schliesslich das Latein für alle öffentlichen Sitzungen und Generalkongregationen verbindlich machen und die Landessprache nur in den Kommissionen zulassen. Allerdings … diese Regel wird durchbrochen werden! Und fraglos tun sich viele Konzilsväter schwer, die Konzilsreden zu verstehen, geschweige denn selbst daran teilzunehmen. Bezeichnenderweise werden praktische Hinweise für die Konzilsväter in der Konzilsaula in mehreren Sprachen wiederholt – ein eindeutiges Indiz für die Bedenken, ob alle Konzilsväter lateinische Ansagen korrekt verstehen würden.(emf; vgl. A 1,239f; A 2,56-60)

Konzilsblogteam

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