Warum sind unsere Bischöfe nicht mutiger?

Ein Bischof wird «zurückgepfiffen»
Oft fragt man sich, warum unsere Bischöfe nicht mutiger ihre Position gegenüber dem Vatikan vertreten. Das folgende Beispiel aus Österreich gibt eine Antwort. Diese überrascht mich nicht, das ich Ähnliches schon auf Bischofssynoden erlebt habe.
Von Wolfgang Bermann:So ein Widerruf eines Österreichischen Hirten ist selten. Bischof Kapellari sah sich gezwungen, eine Erklärung «in Verantwortung für meinen bischöflichen Dienst als Lehrer des Glaubens in Einheit mit Papst» abzugeben. Diese Floskel heißt in Alltagssprache übersetzt: Der päpstliche Nuntius hat ordentlich Druck gemacht.Kapellari bedauert dabei, dass er «in einer sehr anstrengenden und unter Zeitdruck stehenden Gesprächssituation» (gemeint ist Armin Wolfs – offensichtlich als moderne Streckbank empfundenes – ZIB2-Studio), eine Erklärung abgegeben hat, die «aber theologisch so nicht haltbar» ist. Dabei hatten wohl die meisten Zuseher den Eindruck, dass er ohnehin nichts gesagt hatte. Welches Teufelszeug hat er dabei vertreten und sein 30-jähriges Bischofsjubiläum damit verdorben? Er meinte, dass nur ein Konzil das Frauenpriestertum beschließen könne. Wieder übersetzt für Nicht-Insider: Das Frauenpriestertum kommt in tausend Jahren nicht, weil Benedikt und seine Nachfolger, wenn sie aus seinem Holz sind, nicht im Traum daran denken, ein Konzil einzuberufen.Nachträglich musste der Grazer Oberhirte trotzdem Abbitte tun: «Ein sorgsamer Blick auf die Gesamtheit der lehr-amtlichen Quellen zeigt aber, dass die Lehre von der Unmöglichkeit einer Priesterweihe von Frauen mit einem solchen lehr-amtlichen Gewicht endgültig entschieden ist, dass auch ein Konzil mit seinem Papst nichts daran ändern könnte.»Bei diesem Widerruf scheint jedoch Kapellari nicht ganz wohl gewesen zu sein. Denn die Erklärung war nicht wie üblich im öffentlich zugänglichen Nachrichtendienst der kathpress, die der österreichischen Bischofskonferenz gehört und deren Medienbischof er ist, veröffentlicht worden. Zu lesen war das Ganze auf kath.net, jenem einem Verein gehörenden Internetmagazin, das die strenge römische Linie in Österreich observiert. Ein Widerruf in kleinem Kreis also.Kapellari fährt offensichtlich eine Doppelstrategie: Nach Rom signalisiert er Unterwürfigkeit, in breiter Öffentlichkeit geniert er sich für diesen inhaltlichen Schwenk. Ein bisschen hasenfüßig ist das schon. Welchen Druck kann da Rom ausüben, dass ein durchaus intellektueller Bischof all sein theologisches und geschichtliches Wissen über Bord wirft? Denn natürlich weiß Kapellari, dass Konzile schon mehr getan haben als Lehren nur zu korrigieren, da wurden sogar Päpste abgesetzt und/oder als Häretiker verurteilt.Die Kirchengeschichte ist eben voll von Überraschungen. Das ist auch einer der Gründe, warum man nie an einem aktuellen Zustand zu verzweifeln braucht. Der Ausweg, wie die Kirche die Festlegung Johannes Paul II auf die Unmöglichkeit des Frauenpriestertums überwinden wird, ist übrigens einfach: Da Dogmen nur Glaubens- und Sittenfragen regeln können, wird die Kirche zum nahe liegenden Schluss kommen, dass die Weihemöglichkeit weder das eine noch das andere ist, sondern nur ein (zwar traditionsreiches aber trotzdem) einfaches Vereinsstatut. Der arme Bischof Kapellari steht dann gerade durch seinen Widerruf als Irrlehrer da.
Autor: Wolfgang Bergmann, Magister der Theologie (kath.), 1988-1996 Pressesprecher der Caritas, 1996-1999 Kommunikationsdirektor der Erzdiözese Wien und Gründungsgeschäftsführer von Radio Stephansdom.

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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