«Wir bezahlen gerne Steuern»(Ausnahmsweise gibt es den Auszug aus meiner Sonntagspredigt erst heute.) Wie können wir heute verantwortungsvoll umgehen mit dem Satz: «Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gott gehört.»Heute müsste man übersetzen: Gebt dem Staat, was ihm gehört.»«¢ In diesen Tagen ganz aktuell: Schenkt ihm eure Mitarbeit. Noch konkreter: Geht zur Wahlurne, damit an seiner Spitze Leute stehen, die nicht nur an ihr eigenes Wohl denken.»«¢ Dann aber, für alle Zeiten könnte es heissen (etwas Unpopuläres): Gebt dem Staat die Steuern, die er nötig hat.In Deutschland übergibt man die Steuern nach einem gängigen Wort «dem Finanzamt». Ich finde diesen Ausdruck – Entschuldigung, wenn ich so deutlich werde- blödsinnig! Er suggeriert, das Geld gehe an eine anonyme Behörde, die mit ihm willkürlich umgeht.Nein, nicht irgendwelchen Beamten kommt das Geld zugute, sondern dem Gemeinwesen, das damit wichtige Aufgaben erfüllt (allerdings hin und wieder auch unnötige: wenn Sie hier meine persönliche Meinung tolerieren: Dazu gehört der Kauf von Kampfflugzeuge….)
Ich weiss, auch wenn der Staat mit den Geldern vernünftig umgeht, bezahlt niemand gerne Steuern.Wirklich nicht?Eine Bekannte von mir war Reiserführerin in Tansania. Eine Gruppe Schweizer fuhr mit ihr tagelang über miese Strassen. Es ist eine leidige Sache, die ich aus eigener Erfahrung kenne: Wenn man sich eine Sekunde lang nicht festhält, läuft man Gefahr, dass der Kopf an die Decke prallt.Die Schweizer Reisegruppe erinnerte sich voller Wehmut an die guten Strassen in ihrer Heimat. Und kam zur Einsicht, dass sie lieber Steuern bezahlen als sich über kaum befahrbare Strassen zu ärgern.Die Gruppe in Tansania besuchte auch Schulklassen mit über 100 Kindern in einer Klasse. Der Schulraum war so überfüllt, dass die Lehrerin kein Plätzchen fand, um ihre Tasche auf den Boden zu stellen. Sie musste einen Nagel einschlagen, um sie an die Wand zu hängen.Auch die meinten die guten Schweizer: «Ich bezahle gerne Steuern, damit unserer Kinder nicht in solchen unmöglichen Verhältnissen unterrichtet werden.»(Auszug aus meiner Sonntagspredigt im Stanser Frauenkloster und im Pflegeheim Stans)
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant