(Weitere Antworten von CVP-Politikern des Kantons Luzern)1.) Sollte Ihrer Meinung nach die «Option Kernenergie» offen gehalten werden?
Nein. Für mich ist klar, dass der Ausstieg aus der Kernenergie auf das Jahr 2034 heute beschlossen werden muss. Je klarer das Ziel des Ausstiegs ist, desto konsequenter spornt es an, die mit dem Ausstieg entstehende Lücke mit anders produzierten Energien zu schliessen.
2.) Wie stellen Sie sich zu einer Laufzeitbegrenzung für die bestehenden Atomkraftwerke? Ist sie notwendig? Wie lange sollen die Werke maximal am Netz bleiben dürfen?
Wie dargelegt, soll der Ausstieg auf das Jahr 2034 erfolgen. Die heutigen Atomkraftwerke sollen aber weiterhin in Betrieb bleiben, müssen selbstverständlich aber die (strengen) gesetzlichen Vorschriften für den Betrieb einhalten. Sollte ein Werk vor dem Jahr 2034 die gesetzlichen Anforderungen für den Betrieb nicht mehr erfüllen, ist es abzuschalten und nicht zu erneuern. Sicher ist somit die Laufzeit aller schweizerischen Atomkraftwerke bis zum Jahr 2034 beschränkt.
3.) Wie soll der Wegfall des Atomstroms kompensiert werden? Befürworten Sie den Bau von Gaskraftwerken oder bevorzugen Sie den forcierten Ausbau der Effizienz und der erneuerbaren Energien?
Die entstehende Versorgungslücke ist mit einem Strauss von Massnahmen zu schliessen: Einerseits muss die Energieeffizienz gesteigert werden, so z.B. bei Gebäuden und bei Geräten. Andererseits ist die Stromproduktion mit anderen «Mitteln» als mit Atom zu bewerkstelligen. So wird ein Ausbau der Wasserkraft erforderlich sein. Markant ausgebaut werden muss die Produktion von Alternativenergien; dazu gehört auch die Nutzung von Geothermie. Den Bau von Gaskraftwerken lehne ich ab. Dies wäre so oder so nur eine Übergangslösung.
4.) Unterstützen Sie auch nach dem Entscheid zum Atomausstieg das Klimaziel von 20% plus im Inland und die dafür notwendigen Massnahmen (Revision CO2-Gesetz)?
Grundsätzlich ja. Ich muss aber zugeben, dass ich die Sachlage neu analysieren müsste. Im Moment kann ich nicht beurteilen, ob diese Zielsetzung bei einem Ausstieg aus der Atomkraft noch realistisch ist. Grob beurteilt müsste das gesteckte Ziel aber trotz Ausstieg aus der Atomkraft möglich sein, da meiner Meinung nach mit der Steigerung der Energieeffizienz und der vorstehend erwähnten Produktion von Energie mit anderen «Mitteln» nicht ein grösserer CO2-Ausstoss entstehen würde.
Leo Müller
Danke für die freundliche Anfrage.Als Energiepolitiker der CVP und Mitglied der vorberatenden Kommissionhabe ich mich vermehrt in der Oeffentlichkeit sowohl mündlich wie schriftlich geäussert.Ich erlaube mir deshalb, Ihnen ein paar aktuelle Texte zuzustellen. Daraus ist meine Haltung differenziert ersichtlich.Gerne erwarte ich Ihren Kommentar auf den vollen Kratten, den Sie von mir nun erhalten haben. Ich würde mich freuen, wenn wir uns einmal mündlich unterhalten könnten. Mit bestem Dank und freundlichen Grüssen Ruedi Lustenberger(Bemerkung von WLu: Es fehlt hier die Platz, die umfangreiche Dokumentation, die dem Brief angefügt war, zu dokumentieren. Nur so viel: Lustenbergers Interventionen zeugen von einer erstaunlichen Offenheit gegenüber Umweltproblemen!)
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/umfragen-zu-den-eidgenoessischen-wahlen-ii/