B 16 und die Orthodoxen

Werben um die Orthodoxen(Dieser Zwischentitel findet sich in einer Bilanz der Zeitschrift Christ und der Gegenwart. Wir dokumentieren hier den entsprechenden Abschnitt ohne Kommentar:)
In herzlicher Atmosphäre in Freiburg bekundete Benedikt XVI.: «Unter den christlichen Kirchen und Gemeinschaften steht uns die Orthodoxie theologisch am nächsten; Katholiken und Orthodoxe haben beide die gleiche altkirchliche Struktur. So dürfen wir hoffen, dass der Tag nicht zu ferne ist, an dem wir wieder gemeinsam Eucharistie feiern können.» Der heutige Bischof von Rom schilderte rückblickend seine «persönliche Freundschaft mit Vertretern der orthodoxen Kirchen», wodurch er «die Orthodoxie immer tiefer kennen- und liebengelernt» habe. Ebenfalls thematisierte er die Konflikte um den päpstlichen Jurisdiktionsprimat, also den rechtlichen Vorranganspruch. Man müsse da weiter um ein «rechtes Verständnis» ringen. Benedikt XVI. griff Überlegungen von Johannes Paul II. auf, dass eine Unterscheidung zwischen dem Wesen und der Form der Ausübung des Primats hilfreich sein könne für «weiterhin fruchtbare Anstöße».
Der Papst lobte ebenfalls die Bemühungen der Nationalkirchen um stärkere innerorthodoxe Einheit, dass sie zum Beispiel in Deutschland zu einer gemeinsamen Bischofskonferenz zusammengefunden haben. Allerdings ging er nicht auf die vielen innerorthodoxen Streitereien ein, auch nicht darauf, dass einflussreiche orthodoxe Kräfte die katholische Kirche und das Papsttum weiterhin als Häresie betrachten und die moderne Welt als moralisch verdorben verteufeln. Kann ein katholisch-orthodoxer Schulterschluss, den der Papst mit großer Sympathie anzustreben versucht, den Gottesglauben in der Moderne wirklich besser begründen als eine Ökumene mit den evangelischen Kirchen der Freiheit, die in wesentlichen Punkten den katholisch wie orthodox nachwirkenden Antimodernismus bereits überwunden haben?

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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