Ökumenischer Schriftsteller/Theologe

Die reformiertePresse bat mich um eine Renzension dieses Buches. Hier ist sie:Walter Nigg: Ein Wörtlein über meine Bücher und weitere autobiographische Text. Herausgegeben von Barbara Hallensleben und Uwe Wolff. Friedrich Reinhardt Verlag Basel. ISBN 978-3-7245-1713-9. 120 S., Fr. 14.80. Dem evangelischen Pfarrer und Theologen Walter Nigg (1903 -1988) verdanken wir eine lange Reihe sehr profunder und gleichzeitig leicht verständlicher Heiligenbiographien. Als er mit Schreiben begann, befürchtete er, sich zwischen Bänke und Stühle zu setzen: «Die Protestanten würden sich nicht dafür interessieren, will es doch ein katholisches Thema sei, und die Katholiken schon gar nicht, da der Verfasser ein evangelischer Christ sei, der davon ohnehin nichts verstehe.» Nigg liess sich von dieser Angst nicht lähmen. Einerseits war er von den Heiligen fasziniert, andererseits fand er «das Geplänkel zwischen Katholiken und Protestanten reichlich antiquiert», Jahrzehnte vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil!Nigg versteht Heilige als Menschen mit unmittelbarer Gotteserfahrung, seien sie von der katholischen Kirche heiliggesprochen oder nicht. Ja, der der Autor findet solche von Gott erfüllte Gestalten auch unter jenen, die gemäss der reinen Lehre als Häretiker gelten. Dieser Einsicht verdanken wir Werke wie «Das Buch der Ketzer» und «Grosse Unheilige» (neu aufgelegt bei Diogenes 2001 beziehungsweise 1996). Alle seine Bücher entstanden wegen seiner «Leidenschaft, verschüttete Gestalten zu entdecken, die wahre Substanz des Christentums zum Leuchten zu bringen und die Werte zu erhalten».Diese Hintergründe des immensen Werks von Walter Nigg finden wir in seinem Text «Ein Wörtlein über meine Bücher». Die Aufzeichnungen waren ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Im Einverständnis seines Sohnes und dank der editorischen Arbeit von Barbara Hallensleben und Uwe Wolff sind sie nun viele Jahre nach seinem Tod öffentlich zugänglich (in der vorliegenden Schrift S. 57-110).Ausser dem «Wörtlein», das zu einem gewichtige Wort geworden ist, enthält die Publikation weitere autobiographische Kurztexte, so seine Abschiedspredigt als Pfarrer von Dällikon-Dänikon. Äusserst eindrücklich ist der Bericht über den Tod seiner ersten Frau «Wie Lily Nigg-Kölliker starb». Sie beging Suizid, letztlich aus Liebe zu ihrer Familie, der sie ihr psychisches Verwelken ersparen wollte. Aus dem an sich traurigen Text sprechen eine tiefe Hoffnung und eine ebensolche Liebe.Das vorliegende bescheidene, aber inhaltsreiche Buch rettet die grosse Gestalt des begabten Schriftstellers Walter Nigg vor dem Vergessen. Es lässt erahnen, welche spirituellen Schätze er für die Kirchen ausgrub. Die eingangs formulierte Befürchtung trat nicht ein. Zwar war er für seine Zürcher Landeskirche eher eine Randgestalt. Doch sein literarischer Erfolg machte diese Geringschätzung wett. Seien Bücher erreichten Millionenauflagen und wurden in 12 Sprachen übersetzt. Und sind heute noch lesenswert.

Walter Ludin

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