Hans Küng

Leitplanken der ÄmterfrageDie Frage nach den kirchlichen Ämtern «muss von den Ergebnissen der neutestamentlichen Exegese her neu durchdacht werden». Dieses Postulat realisierte Hans Küng bereits im Anschluss an das Konzil 1967 in seinem Buch »Die Kirche«. Im Buch «Die verratene Prophetie» fasst er seine Ergebnisse zusammen:
1. Man kann auch nebenberuflich Priester sein. Dieser Dienst ist nicht notwendig hauptberuflich.2. Man kann auch auf Zeit Priester sein. Dieser Dienst ist nicht notwendig lebenslänglich.3. Man kann auch als Weltmensch Geistlicher sein. Dieser Dienst muss nicht notwendig einsozialer Stand sein.4. Man kann auch ohne akademische Bildung Priester sein. Dieser Dienst muss nicht notwendig Wissenschaft sein.5. Man muss nicht zölibatär, man kann auch verheiratet Priester sein. Dieser Dienst schliesst nicht Ehelosigkeit ein.6. Nicht nur ein Mann kann Priester sein. Dieser Dienst muss nicht notwendig ausschließlich männlich, ein Männerbund sein.
Als Konstanten des Leitungsdienstes wurden folgende festgehalten:1. Der kirchliche Leitungsdienst will wesentlich nicht eine Form von Herrschaft sein, sondern ein Dienst an der Gemeinschaft.2. Nicht eine alle übrigen Funktionen aufsaugende autokratische Behörde, sondern ein Dienst inmitten einer Vielfalt anderer Charismen und Funktionen.3. Kein starres und uniformes Ämtersystem, sondern je nach Zeit und Ort flexibler, mobiler, pluriformer Dienst.4. Nicht in die willkürliche Verfügung der Menschen gestellt, sondern ein Dienst, der auf einer von der Gemeinschaft zu überprüfenden Berufung Gottes im Geiste Jesu Christi beruht.——————————————–Was soll man nun: Hans Küngs Weitblick bewundern? Oder sich darüber ärgern, dass auch nach Jahrzehnten kaum etwas von diesen Einsichten von der obersten Kirchenleitung rezipiert wurde? Wer spricht da von Verstocktheit??????

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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