… wohnt jetzt bei uns (Kapuzinern)Ottos Einzug in die von den Wiener Kapuzinern betreute Kaisergruft erinnert mich an die Führung, die der Kustos Gottfried Undesser einer Gruppe Mitbrüdern gegeben hatte. Am Schluss erzählte uns ein Holländer Storys über einen Habsburger, der sie mal regiert hatte. Wir standen lauschend am Grab und merkten nicht, dass die Tür der Gruft zugeschlossen wurde. Das Licht ging aus. Es wäre sicher reizend gewesen, eine Nacht mit den – wenn ich mich recht erinnere – 16 Kaisern und 12 Kaiserinnen und vielen weitern k-k. Hoheiten zu verbringen. Allerdings beneideten wir sie nicht. Denn im Unterbewussten sagten wir uns, ein lebender Esel sei besser als ein totes Ross. Noch was: Gottfried wird immer wieder gefragt, wann die Leiche des seligen (!) Kaiser Karls eintreffe. Seine Antwort: «Heute morgen war sie noch auf Madeira». Und noch etwas aus unserer Familiengeschichte: (Ex)Kaiser Karl besuchte während seines Exils das von den Kapuzinern geführte Appenzeller Gymnasium und wurde bei dieser Gelegenheit als Ehrenmitglied in die «marianische Sodalität» aufgenommen. Die Aufnahmekurkunde trägt die Unterschrift des damaligen Präses, meines Grossonkels P. Lucius Ludin …
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant