Nahost-Konflikt

Wer schreit da «undifferenziert»?Nochmals aus dem Jahresbericht der Schweizer Bischofskonferenz, Jüdisch-Römisch-kath. Gesprächskommission:
3. Zudem wurde die z.T. einseitige Stellungnahme kirchlicher Kreise und Hilfswerke im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt kritisiert. Weiterhin wurde bemängelt, dass sich die mediale Berichterstattung über Israel häufig auf den Nahostkonflikt reduziert, was zu einer insgesamt negativen Wahrnehmung Israels führt, welche auch jüdische Mitbürger in der Schweiz im Alltagsleben negativ zu spuren bekommen.4. Es wurde angeregt, Pfarreien, die Heiliglandreisen organisieren, zu unterstützen, indem man ihnen Ansprechpersonen nennt, die sie vor Ort treffen können und die ihnen eine differenziertere Wahrnehmung des Staates Israel ermöglichen.
Während Jahrzehnten wurde auf Hl.Land-Reisen höchst einseitig die Sicht Israels dargestellt. Dass es Palästiner gab, hat man nur am Rande mitbekommen, weil die Reisebegleitung fast vollständig in jüdischen Händen lag. Ich hatte die Ehre, 1981 ein «Pilotreise» spirituell zu begleiten, organisiert von der Zeitschrift ehe+familie, wobei wir gezielt Kontakte mit den (vergessenen) palästinensischen Christen hatten. Der einheimische Begleiter war der Palästinenser Naim, der bereits Paul VI. begleitet hatte. Betr. «Einseitigkeit» noch etwas Anekdotisches:-Als ein Kollege von mir eine Gruppe leitete, die von einem Juden betreut wurde, der unterwegs dauernd undifferenzierte zionistische Propaganda von sich gab, griff er zur Notwehr und liess die Gruppe im Bus den Rosenkranz beten, um den Mann zum Schweigen zu bringen.-Selber vor der Klagemauer erlebt: Ein Jude «orientiert» eine Gruppe über die Geschichte des Ortes: «Bevor wir den Platz eroberten, waren hier erbärmliche Hütten. Wir haben die Leute herausgeholt und ihnen anständige Wohnungen gebaut.» So weit ich über die Vertreibungen orientiert bin, bestanden diese Wohnungen aus Zelten in der Wüste …- Ein Bekannter von mir, ein Palästinenser, mit dem ich durch die Westbank fahre: *Die jüdischen Reiseführer erzählen, in dieser Gegend würde das Wasser sehr gerecht verteilt: 50 Prozent für die Palästinenser, 50 Prozent für die Israelis. Sie verschweigen aber, dass hier 500 Israelis und 15 000 Palästinenser leben.»Frage: Wie weit dient es dem Frieden, wenn die Israelis blauäugigen Pilgern weiterhin solch einseitige Infos liefern?

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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