Im Frühjahr 1962 gerät Karl Rahner in Verlegenheit. Franz Kardinal König aus Wien bittet ihn, als theologischer Experte mit ihm zum Konzil zu gehen. Fast gleichzeitig aber ist er von Julius Kardinal Döpfner, München, in derselben Sache angefragt worden, und hat diesem bereits eine Zusage gegeben. Rahners salomonischer Vorschlag geht dahin, die «kleine theologische Hilfe, die Sr. Eminenz in München zur Verfügung gestellt wird», könne auch Kardinal König zugutekommen. Doch König gibt sich damit nicht zufrieden. Er spricht mit Döpfner und dieser «nimmt zur Kenntnis», dass König Rahner als Konzilsberater beansprucht und dies bereits der österreichischen Bischofskonferenz mitgeteilt hat, welche dies «mit grosser Genugtuung» aufgenommen habe (Wa 91f Anm. 177). Daraufhin nimmt Rahner die Anfrage Königs an und schreibt Döpfner: «Da aber Ew. Eminenz mit dieser neuen Lösung einverstanden sind, so glaube ich, dem Wunsch des Herrn Kardinals von Wien und der österreichischen Bischöfe zustimmen zu sollen, da ich nun doch schliesslich an einer österreichischen Universität doziere. Ich hoffe, dass ich auch unter Voraussetzung dieser neuen Lösung Ew. Eminenz sachlich genauso dienlich sein kann wie unter der früheren Voraussetzung, da ein Theologengutachten usw. ja durchaus mehreren Konzilsvätern unterbreitet werden kann» (Dö 216).Am 25. August 1962 wird Kardinal König konkreter, die Reisevorbereitungen kommen in Blick. «Ich darf also nochmals meine Bitte wiederholen, dass sie als Konzilstheologe der österreichischen Bischöfe mit nach Rom kommen. Bitte mir mitzuteilen, ob ich ihnen für die Romreise eine Bahn- oder Flugkarte zur Verfügung stellen soll. Für die Auslagen in Rom selbst werden wir natürlich ebenfalls aufkommen. Wegen der Unterkunft in Rom werden Sie wohl Vorsorge treffen?» (Wa 92 Anm. 178).Rahner habe im übrigen, so König, auf die Anfrage «zögernd und zaudernd» reagiert. Er sei noch nie in Rom gewesen, sein Name sei keine Empfehlung für mich [König], er fürchtete Schwierigkeiten, die sich an Ort und Stelle für ihn ergeben würden» (Wa 91 Anm. 176).(emf)
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