Prozession: Manifestation des Glaubens?Vor 30 Jahren gab es in Luzern eine Diskussion über die Gestaltung der Fronleichnamsprozession. Viele fanden ihre Form nicht mehr zeitgemäss; auch ich. Darum habe ich mich von der Teilnahme dispensiert. Der Guardian hatte nichts dagegen. Doch ein älterer Mitbruder protestierte: «Du musst Zeugnis ablegen vom Glauben.»Ich entgegnete: «Es liegt mir nicht, dies vor gaffenden Leuten zu tun, z.B. vor Touristen, die einen als folkloristische Attraktion fotografieren und die Bilder in Japan zeigen.» Der Mitbruder beschwichtige mich: «Es hat fast keine Leute, die zuschauen.» Da wandte ich logisches Denken an: «Wenn (fast) niemand da ist, vor wem sollte ich dann Zeugnis ablegen?»Nun, auch heute frage ich mich, ob eine Prozession eine Manifestation des Glaubens sein kann: Sie mag andere, wichtige Funktionen haben. Aber einen Glauben, eine Überzeugung bekennen, indem man auf die Strasse geht, funktioniert höchstens im politischen Bereich: z.B. Manifestation gegen Atomkraft.Den Glauben bekennen, dazu braucht es andere Formen. Ich denke an das Motto, das ich vor fast 40 Jahren während des Studiums in einem Praktikums bei der Integrierten Gemeinde in München kennenlernte: Wir müssen nicht nur die Hostie, sondern auch das Brot miteinander teilen.Dass dies als Glaubenszeugnis funktioniert, haben mir schon oft Afrika-Missionare erzählt. Wenn ich sie fragte, wie findet jemand zum christlichen Glauben: «Die Leute sehen, wir unsere Christen füreinander da sind, eine Gemeinschaft bilden, wirkt dies für sie attraktiv.(1. Teil meiner Predigt im Kapuzinerinnenkloster St. Klara, Stans; 9.30 Uhr)
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant