Wir und die Muslime (3)

Rassismus oder dumpfe Vorurteile(Weiter mit Frau Emcke)Früher nannte man es Rassismus, wenn Kollektiven Eigenschaften zugeschrieben wurden – heute dagegen gelten dumpfe Vorurteile als »Angst, die man ernst nehmen muss«. Was diesen neuen Rassismus rhetorisch so elegant aussehen lässt, ist, dass das Unbehagen gegenüber Muslimen niemals als Unbehagen gegenüber Muslimen artikuliert wird. Vielmehr kommen die Angriffe stets im Gewand des Liberalismus und als Verteidigung der Moderne daher. Es sind Werte einer aufgeklärten, sympathisch pluralistischen Lebensweise, die in Stellung gebracht werden gegen den Islam.Dabei werden Muslimen jene Eigenschaften und Überzeugungen zugeschrieben, die eine moderne Gesellschaft als intolerant geißeln muss. Ein typisches Beispiel ist der Einwanderungstest des CDU-regierten Bundesandes Baden-Württemberg, bei dem die Tauglichkeit zur Einbürgerung mit der Haltung der Einwanderer zur Homosexualität in Verbindung gebracht wird – oder der des Landes Hessen, der ein modernes Frauenbild abfragt. Wer wollte nicht die modernen Vorstellungen des Zusammenlebens verteidigen? Das ist ja der Konsens, auf dem unser Grundgesetz und unsere Gesellschaftsordnung beruhen. Es klingt auch irgendwie besser und emanzipierter als die Ideologie von Leuten, die dogmatisch an repressiven Familien- oder Sexualitätsvorstellungen festhalten.———————Da kann man eigentlich nur mit klammheimlicher Schadenfreude daran erinnern, dass die erwähnte CDU-Regierung inzwischen mit Schimpf und Schande in die Wüste gejagt wurde. Wann geschieht dies mit unsern «Rassisten»?

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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