Kirche ohne Zukunft?

«Die Kirche ist selber schuld»(Aus meinen ersten NZN-Glossenbuch «Rosen vom …»)Ein gängiges Schlagwort lautet: Wenn dies stimmt, muss sich die Kirche um ihre Zukunft Sorgen machen. Denn bekanntlich steht die Mehrheit der Jugendlichen der Kirche fern. Eine Illustration dafür sind die Antworten einer Umfrage, die ein Katechet in einem St. Galler Dorf unter seinen Schülern der zweiten Sekundarklasse durchgeführt hat. Sofort fällt auf, dass kein einziger der Befragten sich bewusst ist, selber auch ein Teil der Kirche zu sein. Wenn sie hören, denken die Schüler und Schülerinnen beispielsweise an den Papst und die Bischöfe, an Kirchenglocken, Orgel, ewiges Leben oder auch an den Friedhof und Langeweile! Auf die Frage, ob ihnen in der Kirche bei persönlichen Schwierigkeiten geholfen wird, findet sich unter anderem die folgende Antwort: In einer andern Antwort heisst es: Der Katechet, der mir diese Ergebnisse geschickt hat, sandte mir vor einigen Tagen einen Artikel aus dem mit dem Titel: Die Reportage berichtet darüber, wie in Holland viele Kirchengebäude verkauft wurden, weil sie selbst am Sonntag praktisch leer waren. Die neuen Besitzer machten daraus Spielplätze, Discotheken, Fitness-Center, Supermärkte, Ausstellungshalllen oder Sozialwohnungen.Ist anhand der St. Galler Umfrage zu befürchten, dass das, was in Holland geschieht, die Zukunft der Schweizer Kirche sein könnte? Vielleicht geben auf diese Frage eine Antwort: Man schaue sich das Alter der Teilnehmer am Sonntagsgottesdienst an und überlege, wie viele nach menschlichem Ermessen in zwanzig oder dreissig Jahren nicht mehr hier sein können. Trotz allem: vor den Tatsachen zu resignieren, würde nichts bringen. Denn noch ist nicht alles verloren. Gerade die junge Generation ist für ein persönliches Zeugnis sehr ansprechbar. Wenn sie aber feststellen muss, dass jene, die intoleranter, liebloser und aggressiver sind als die andern, möchten sie nichts mehr zu tun haben. Falls auf Gottesdienste, den Jugendliche gestalten, mit Unverständnis reagiert wird, werden junge Menschen wohl kaum ermutigt, sich weiterhin im Kirchengebäude sehen zu lassen. Letztlich aber geht es um die Frage: Wer steht wem fern?

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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