.. kann nützlich seinVielleicht entstand aufgrund meines gestrigen Eintrags der Eindruck, ich sei prinzipiell gegen die lateinische Sprache. Wie könnte ich, da Latein während meinen acht (!) Gymnasialjahren zu meinen Lieblingsfächern gehörte …Latein kann nützlich sein:- Wenn ich bei unsern internen Gebeten im Kloster für eine Woche die Verantwortung habe, lasse ich gewöhnlich einmal auf Latein das Benedictus und das Magnificat singen.– Bei den Gottesdiensten für Touristen auf Kreta (jeweils im Sommer für drei Wochen) benutze ich zwar je nach Zusammensetzung der Gottesdienstgemeinde Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch. (Da bin ich mit Kollega Fleischer einverstanden, dass es bemühend ist, wenn nur eine Sprache gebraucht wird, obwohl man weiss, dass viele Anderssprachige da sind. In sprachlich gemischten Gemeinden wie Biel/Bienne oder an Touristenorten sollte dies selbstverständlich sein …). Auf Kreta verwende ich für den Einsetzungsbericht Latein, damit niemand benachteiligt/bevorzugt wird – und ich kann ja hier die Texte nicht in verschiedenen Sprachen wiederholen. Es kam schon vor, dass mir jemand dankte, endlich wieder eine «gültige Messe» erlebt zu haben (weil für den Betreffenden nur Latein gültige Liturgiesprache war!)Noch was: Während einer Weltbischofs-Synode in Rom wurde in einer «Briefkastensendung» von Radio Vatikan/dt. Abteilung, die Frage gestellt, welchen Stellenwert Latein heute habe. Der junge, etwas seltsame Redaktor zählte einige Texte auf, die vom Vatikan offiziell auf Latein herausgegeben werden. Und fügte hinzu: «Stellen Sie sich vor: Latein ist während der jetzt tagenden Bischofssynode eine der offiziellen Sprachen.» Was der gute Mann verschwieg: Ein einziger der etwa 200 Synoden»väter» benutzte sie.So selektiv kann man mit der Wahrheit umgehen. Auch im Vatikan. Aber dies ist ein anderes Thema.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant