Im August 1962 verfasst Paul Emile Kardinal Léger einen langen Brief an Papst Johannes XXIII., der von drei weiteren Kardinälen Josef Frings, Julius Döpfner und Franz König mit unterzeichnet wird. Darin gibt er den Befürchtungen Ausdruck, dass die vorbereitenden Texte nicht dem Anliegen Johannes XXIII. entsprechen und das Konzil so zu einer grossen Enttäuschung werden könne. Konkret schildert er den Eindruck, den er von einigen der Vorbereitungstexte gewonnen hat:
Sie «betrachten die Kirche zu sehr als eine Institution im Belagerungszustand, die das Konzil verteidigen muss […]. Die Kirche hat für sie eher einen juristischen als einen missionarischen Aspekt. Sie haben nicht den Mut, sich offen der heutigen Welt zuzuwenden, ihren Nöten, ihren neuen und berechtigten Ansprüchen. Sie scheinen statt dessen zu glauben, es sei genug, Formeln, welche die Welt nicht mehr verstehen kann, mit noch grösserer Beharrlichkeit zu wiederholen, ohne gleichzeitig das Verständnis für die Lehre zu vertiefen. Sie scheinen zu glauben, dass der Verlust des Glaubens, die Verschlechterung der Moral, das Versagen des Apostolats keine anderen Gründe habe als die Gleichgültigkeit der Menschen oder die Bosheit der Zeit; sie fragen nicht, ob nicht der überholte Charakter einiger Formen kirchlichen Denkens und Handelns ebenfalls eine gewisse Rolle dabei spielt» (zit. nach A 1,393).(emf)
Konzilsblogteam
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/verteidigung-einer-kirche-im-belagerungszustand-oder-erneuerung/