Zu einem Plan der Bischofskonferenz

Wo bleiben die neuen Beichtzentren?Ich oute mich hiermit als lehramtlich anerkannter Skeptiker. Wie das? Alles der Reihe nach: Als die Schweizer Bischöfe im Jahre 2008 auf Druck Roms Abstand nahmen von den bewährten Bussfeiern mit «sakramentaler Lossprechung», sahen sie Handlungsbedarf. Sie veröffentlichten «Impulse zur Erneuerung der Einzelbeichte». Neben vielen guten Anregungen entwickelten sie die Forderung, regionale Beichtzentren zu schaffen.Weihbischof Martin Gächter orientierte die Äbte und Provinziale der Schweiz darüber anlässlich ihrer jährlichen Generalversammlung. Ich war als Journalist anwesend. Bischof Martin meinte einleitend, die Bischöfe seien überzeugt, dass eine Aufwertung der Einzelbeichte möglich sei – «auch wenn Pater Ludin daran zweifelt!»Somit war ich sozusagen lehramtlich als Skeptiker anerkannt. Meine Zweifel wurzelten in persönlichen Erfahrungen mit einem seit über 400 Jahren bestehenden «Beichtzentrum», dem Kloster Wesemlin. Ich erlebte, wie hier in den letzten 30 Jahren die Zahl der Beichtenden sehr stark zurückging (sagen wir mal von 100 auf 20 Prozent). Wie sollte dann ein neues Beichtzentrum, das irgendwo auf der «grünen Wiese» gegründet würde, mehr Erfolg haben? Auch wenn man statt «grüne Wiese» «Pfarrkirche von X» einsetzen müsste.Ein zweiter Grund für meine Skepsis: Woher nähme man die Priester für solche Projekte? Und tatsächlich: Auf Anfrage wurde mir vom Pastoralamt Solothurn mitgeteilt, dass keine Priester, «die Zeit oder Interesse hätten», sich dafür gemeldet haben. Das Fazit, das ich leider schon lange vorausgeahnt habe: «Es wurden noch keine Beichtzentren verwirklicht.» Und man gibt die Hoffnung noch nicht auf: Sobald mehrere Pastoralräume «funktionieren», wird die Frage nochmals gestellt.Immerhin: Eine Anregung des zitierten Schreibens wurde umgesetzt, nämlich die Weiterbildung der «Beichtväter», wenigstens im Bistum Basel. Dieses führte für alle Priester entsprechende eintägige Kurse durch. Übrigens gab›s diese auch bei den Kapuzinern des deutschen Sprachraumes.Noch was: In den bei mir kiloweise eintreffenden Buchprospekten über Neuerscheinungen in Theologie und Pastoral werden Dutzende von Büchern angepriesen über die Gestaltung von Erstkommunionfeiern, Begräbnisgottesdiensten u.ä. Doch Publikationen darüber, wie man ein besserer «Beichtvater» wird, sucht man fast jedes Jahr vergeblich.

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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