P. Henri de Lubac: Irritationen eines Konzilsberaters

Der französische Jesuit Henri de Lubac liest von seiner Ernennung als Berater der vorbereitenden Theologischen Kommission zuerst in der Zeitung. Angesichts erfahrener Anfeindungen glaubt er dieser Nachricht erst, als er am 25. Juli 1960 das offizielle Ernennungsschreiben in den Händen hält. Verschiedene Aufenthalte in Rom (November 1960; September 1961; März 1962) folgen. Verständlicherweise wecken ihm Begegnungen mit jenen Amtsträgern, die zu den früheren (und bis in die Gegenwart hineinreichenden) lehramtlichen Beanstandungen beigetragen hatten, gemischte Gefühle.Befremdet ist P. de Lubac angesichts der Voten, welche die Jesuitenhochschule Gregoriana für das Konzil abgegeben hatte. «Es ist absurd. Von diesen guten Patres würde jeder gern die eigene kleine Manie feierlich kanonisieren lassen. Sektierertum und Albernheit. P. Édouard Dhanis vor allem hat ein Votum über die Offenbarung und die Formulierung der Dogmen verfasst. Kein Gespür für die einfache Grösse des Glaubens der Kirche, den es zu verkündigen gilt. Befremdliche Verkleinerung (um nicht mehr zu sagen) des Glaubens an Christus. Ein anderes Votum möchte jene verurteilen, die hoffen, dass Gott ein ordentliches Mittel zur Rettung der ungetauft verstorbenen Kinder kennt. Dinge dieser Art bewegen seit der Ankündigung des Konzils nicht wenige der römischen Köpfe» (Lu 1,21).P. de Lubac beklagt die Gleichgültigkeit gegenüber der Schrift, den Kirchenvätern, den Traditionen der orientalischen Kirchen, die er bei vielen Mitgliedern der Theologischen Kommission wahrnimmt, ebenso wie ein Sich-Abschotten der Lehre gegenüber dem existentiellen Christsein. «Man spürt keine Sorge dafür, was notwendig wäre, um das christliche Volk zu nähren und zu leiten, oder um die Welt zum Evangelium zu rufen. Das alles, sagen sie, gehört zum Bereich der ‹Pastoral› und nicht zum Bereich des ‹Dogmatischen›, das geht uns nichts an» (Lu 1,35). Der Eintrag vom 19./20. September 1961 endet: «Klima des Opportunismus und des Misstrauens. Im übrigen wäre es ziemlich schwierig, sich zu wichtigen Aspekten verständlich zu machen» (Lu 1,36).(emf)

Konzilsblogteam

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/p-henri-de-lubac-irritationen-eines-konzilsberaters/