Der Flüchtlingskaplan ... (II.)

Reise ins ehemalige Jugoslawien Nicht nur unser heutiger Generalminister, auch der gegenwärtige Bischof von Arabien unterstützte den Kaplan. Paul Hinder sponserte vor allem die Kooperativen von Logo Mai, mit denen Cornelius eng verbunden waren und ohne die seine zeitaufwändigen Aktionen kaum möglich gewesen wären. So sprach der Kaplan stets mit grösster Hochachtung von «Pater Hinder». Ende 1992 lud er ihn ein, an einer Delegationsreise ins zerfallende Jugoslawien teilzunehmen. Paul war verhindert und schlug vor, dass ich an der Reise teilnehme.Mein erster Kontakt mit Kaplan Koch zeigte mir, dass er nicht nur ein oft zum Fanatismus neigender Kämpfer für das Gute war, sondern auch ein humorvoller Mensch. Er sagte mir, wir würden uns im Zürcher Restaurant Trotte treffen: «Meinen Freunden sage ich jeweils, in der Trotte du Trottel. Dann vergessen sie es nicht …»Auf der Reise hatten wir Kontakt mit hohen Kirchenführern, so mit dem orthodoxen Patriarchen Pavle in Belgrad und mit muslimischen Imamen. Unsere Eindrücke fassten wir zusammen in der umfangreichen Broschüre «Wir suchen Kain und Abel», die an alle Pfarrämter verschickt wurde.Versteckte TamilenWer Cornelius einmal zur Seite stand, wurde nicht vergessen und konnte sicher sein, für weitere Aktivitäten angefragt zu werden. So rief er mich an und erzählte, er werde ein österreichisches Fernsehteam begleiten, das einen Film über das schweizerische Asylwesen drehe. Bisher habe man keinen Kirchenvertreter gefunden, der es wagte, vor der Kamera über das Kirchenasyl zu reden. Ob ich ….Ich sagte zu. Nach dem Interview meinte Cornelius, unser Kloster würde sich sehr gut eignen, um Tamilen zu verstecken. Mit seinen Berner Freunden suche er für einige von ihnen Unterkünfte. Der Kaplan fragte uns bald darauf offiziell an, ob wir mitmachen würden.Wir entschlossen uns, in Luzern drei Tamilen aufzunehmen. Ihre Lebensgeschichte verlief in den kommenden Jahren auf ganz unterschiedlichen Bahnen. Einer von ihnen, vom Bürgerkrieg verletzt und traumatisiert, beging in der Nacht vor seinem 30. Geburtstag auf dramatische Weise Suizid. Die Polizei musste selbstverständlich eingeschaltet werden. Und unser Guardian erhielt eine Busse, weil er Asylsuchende versteckte hatte.Der zweite Tamile fuhr nach einigen Jahren auf geheimen Wegen nach Holland, um dort um Asyl zu ersuchen. Nach kurzer Zeit war er wieder bei uns. Er versuchte später, von Paris aus nach Kanada zu reisen. Vorerst machte ihm die Weltgeschichte einen Strich durch die Rechnung. Am 11. September 2001 sass er bereits im Flugzeug, als er erfuhr, dass bis auf weiteres Nordamerika nicht angeflogen werde. Später als geplant traf er in Kanada ein und fand eine gute Stelle in einem Restaurant. Inzwischen war er schon mehrmals wieder in Europa – und jedes Mal kam er für einige Tage «nachhause», wie er unser Kloster nennt.Der dritte Tamile, Moorthy, blieb in der Schweiz und wurde nach langwierigen Bemühungen als Flüchtling anerkannt. Er ist seit einigen Jahren bei uns als Klosterkoch angestellt. Hin und wieder kommt seine Frau mit den beiden herzigen Kindern für einige Stunden zu uns – und einige ältere Mitbrüder können ihre Grossvatergefühle ausleben. Wir alle profitieren von seiner aussergewöhnlichen Kochkunst. Man könnte jetzt moralisierend anfügen, Gutes tun lohne sich immer!
Buchhinweis: Claude Braun – Michael Rössler: Ein unbequemes Leben. Cornelius Koch, Flüchtlingskaplan. Zytglogge 2011. 375 S.

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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