Handgreiflichkeiten ...

… im VatikanWunschgemäss erzähle ich hier, was mir vor Jahren im Vatikan passiert ist:1979 war ich erstmals als Journalist an einer weltweiten Bischofssynode im Vatikan. Wir konnten nicht direkt an den Sitzungen teilnehmen, erhielten aber täglich «Briefings». Um sich noch ein besseres Bild vom Geschehen zu machen, mussten wir möglichst viele Bischöfe direkt kontaktieren (wobei die Kollegialität unter uns Journalisten sehr gut spielte; erfuhr jemand etwas wichtiges, machte er kein Geheimnis daraus, sondern teilte es mit befreundeten Kollegen).An die Bischöfe heranzukommen, war verhältnismässig einfach. Man stellte sich nach den Sitzungen vor die Synodenaula, hielt Ausschau nach seinem «Opfer» und vereinbarte einen Gesprächstermin. Die Bischöfe telefonisch zu erreichen, war fast unmöglich. Entweder hatten sie Sitzungen, hielten eine längere Siesta oder waren im «Borgo» zum Abendessen.Nach «meiner» dritten Synode hiess es plötzlich: Kein Zugang zum Eingang der Aula. Wir mussten draussen vor dem Gitter warten und ohnmächtig zusehen, wie 90 Prozent der Bischöfe in eigener Limousine oder in Bussen vorbeifuhren. Das System machte für die Kurie Sinn. Je weniger wir Journalisten vom Verlauf der Synode wussten, umso einfacher war es für sie, zu behaupten, der «Heilige Vater» würde in seinen nachsynodalen Schreiben genau das zum Besten geben, was die Synode erarbeitet hatte. Was keinesfalls immer stimmte …Nun langsam zur Sache: Mein lieber Kollege Peter Modler hatte unzählige Male versucht, Kardinal Sin von den Philippinen zu erreichen. Eines Tages wählte er um 11 Uhr in der Vorhalle der Synodenaula Pressefotos aus. Plötzlich strömten die Bischöfe zur Pause herein. Peter erblickte den Kardinal und bat ihn um einen Interviewtermin. Stattdessen nahm der Kardinal ihn zur Seite, verzichtete auf den Pausentee und gab sogleich das Interview.Peter meinte, ich solle auch zu betreffenden Zeit in die Vorhalle gehen und in den aufliegenden Fotos wühlen … Zwei Minuten vor Elf kam ein Offizier der vatikanischen Gendarmerie: «Verlassen Sie den Raum. Die Bischöfe kommen.» Ich würde den Bischöfen nichts zuleide tun, entgegnete ich. Der Mann kam nach einer kurzen Pause nochmals: «Soll ich sie hinaus befördern!!?» Ich entgegnete cool: «Ich tue hier meinen Job. Sie müssen wissen, wie Sie Ihren Job tun.» Ein kurzes Winken und schön hängten sich bei mir zwei Gendarmen ein und schleppten mich mit Gewalt zum Ausgang. Da traten die Bischöfe in den Raum, als einer der ersten mein Mitbruder Frangesco Papamanolis, Bischof von Kreta, den ich persönlich gut kannte. Ich rief: «Frangesco, schau, wie man hier Journalisten behandelt.» Er war machtlos. Und draussen vor der Tür stand wie kürzlich hier im Blog erwähnt der Präsident der brasilianischen Bischofskonferenz und entschuldigte sich bei mir.Die Sache hatte ein Nachspiel: Zwei Stunden später fragte Peter Modler bei unserem dt.sprachigen Pressemeeting, was unser offizieller Informant zum «Vorfall mit unserem Schweizer Kollegen» sagte. Selbstverständlich wusste der Angesprochene nichts von der Sache: «Was ist denn passiert? Erzählen sie!» Peter erzählte und alle unsere Kollegen wussten Bescheid. Am andern Tag stand›s im «Blick». Die Rede war vom «kirchlichen Würdenträger Walter Ludin» …

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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