Barocke Gottesdienste usw.Georg Denzler erinnert sich in seinem bereits zitierten Vortrag:
Bei der Suche nach Ursachen für die gegenwärtige Misere müssen wir zuerst einmal das äußere Erscheinungsbild der Kirche auf den Prüfstand stellen. Mit Recht nehmen hier viele Mitglieder und Beobachter der Kirche Ärgernis. Dies empfanden auch schon Teilnehmer des 2. Vatikanischen Konzils. ELIAS ZOGHBY, melchitischer Pariarchalvikar von Antiochien, sprach am21. Oktober 1964 in der Konzilsaula von St. Peter offen aus: «Die heutige Welt erkennt nur eine einzige Autorität an, die des Dienstes. Vermeiden wir deshalb auch Redensarten wie ‹Kirchenfürst’ und ‹Bischöfliches Palais’, die an Ehrenerweise und Herrschaft erinnern. Hören wir auf, den ersten Stellvertreter des gekreuzigten Jesus als den ‹glorreich Regierenden’ zu bezeichnen.» Der Bischof von Rennes in Frankreich, PAUL GOUYON, richtete während der 1. Konzilsperiode seine Kritik auf die Formen des Gottesdienstes: «Was man den Abfall der Massen nennt, ist zum großen Teil nur die Folge der Unverständlichkeit der liturgischen Riten und eines pomphaften Äußeren des Gottesdienstes, das gewiß seine historischen Grundlagen hat, aber den Geschmack unserer Zeit nicht mehr entspricht. Heutzutage kennen zahllose Menschen die Kirche nur noch aus dem Kino, dem Fernsehen und den Illustrierten, das heißt vom Apparat ihrer Zeremonien, ihrer Prachtentfaltung, ihres Aufwands… Prächtige Formen sind ein Widerspruch gegen Christus, während ein schlichter Gottesdienst Zeugnis für das Evangelium ablegt und die Türen zur Einheit der Christen aufschließt. Möchten wir Bischöfe uns daran erinnern, daß wir nicht Fürsten, sondern Hirten, nicht Herren, sondern Diener sind. Dies ist die richtige Stunde, um alles zu vereinfachen, was vereinfacht werden kann, denn alle Welt stimmt heute darin überein, daß im Leben des Priesters und Bischofs Einfachheit, ja Armut herrschen soll… weisen wir doch alle das als Mißbrauch zurück, was die Eitelkeit fördert und darum dem Wesen der Liturgie als der Verkündigung der Offenbarung Gottes zuwiderläuft.» —–
Es ist unverkennbar: Von Mal zu Mal werden die Gottesdienste, die wir im TV aus dem Vatikan sehen, barocker. Sorry, ich habe schon wieder gegen den Hl. Vater gehetzt, gell Pasquailini. Nein, du wirst sogar sagen «gegen unsere Kirche».
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant