Heute etwas Unpolitisches

Mein Bett brenntAls Pressechef der Synode 72 des Bistums Basel nahm ich an den Sitzungen des Präsidiums teil. Wir hatten dort eine freundschaftliche Atmosphäre. Auch nach dem Ende der Synode (1975) trafen wir uns privat. So lud uns ein Kollege in sein Ferienhaus oberhalb von Bergamo zu einem verlängerten Weekend ein. Am Abend sassen wir gemütlich zusammen.Entgegen meiner Gewohnheiten (meine Mitbrüder sagten damals, ich sei immer der letzte, der ins Bett ginge) brach ich schon recht früh auf. Als ich in mein Schlafzimmer kam, stieg ein Räuchlein von der elektrischen Heizdecke hoch. Ich stürzte zurück ins Wohnzimmer und schrie: «Mein Bett brennt!» Mit vereinten Kräften warfen wir Decke und Matratze, in die bereits ein Loch gebrannt war, aus dem Fenster. Da die Matratze aus Kunststoff war, stank sie fürchterlich. Meinen Mantel, der im Zimmer hing, musste ich während Monaten auf dem Estrich auslüften.Den gleichen Mantel musste ich später nochmals zum «Entstinken» aufhängen. Im VW-Bus wollten wir an einem Sonntagabend von einem Weekend im Wallis via Goms nach Luzern fahren. Beim Tanken oberhalb von Brig spöttelte einer von uns: «Im Wallis stinkts.» Der Tankstellenart – so etwas gab es damals noch – erwiderte schlagfertig: «Es stinkt, seit ihr hier sind.» Er sollte Recht behalten. Nach kurzer Fahrt sah ich von meinem Beifahrersitz aus, wie aus dem Autoradio ein Räuchlein hervorkam. Obwohl wir das Auto fluchtartig verliessen, hatte ich noch am Morgen den Gestank von verbranntem Chemikalien im Hals – und monatelang am Mantel.

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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