Reform muss neue Wege gehen Herbert Kohlmaier, der Chef der österr. Laien-Inititive befasst sich in einem anregenden Beitrag mit der Reformierbarkeit der kath. Kirche. Hier der Anfang:
«Ist die Kirche wirklich unreformierbar? Die Umwälzungen in der arabischen Welt haben es wieder gezeigt: unterdrücken autoritäre Systeme die Entfaltung fortschrittlicher Kräfte, bricht aufgestauter Widerstand irgendwann aus. Dieser Erkenntnis verschließt sich in der zivilisierten Welt nur der vom Papst repräsentierte Vatikan. Es entspricht dies seinem Selbstverständnis als göttliche und mit Vollkommenheit ausgestattete Einrichtung. Würden Veränderungen akzeptiert, gäbe man Fehler zu, die aufgrund von Heiligkeit gar nicht möglich wären.
Stabilität kann allerdings zu lebensbedrohender Starrheit werden. Die Kirche konnte darauf bauen, im Bündnis mit den weltlichen Mächten Teil eines umfassenden Herrschaftssystems zu sein, dem sich die Menschen fügen mussten. Von ehemaliger höchster Autorität blieben aber nur noch Reste gesellschaftlicher Tradition. Auch sie schwinden im Wechsel der Generationen. Es gibt immer weniger Kirchenmitglieder und Priester, die einstige «Volkskirche» wird zum kleinen Verein von Unbeirrten.
Der Vatikan deutet dies als Glaubens-, ja Gottverlust unserer Gesellschaft. Doch das religiöse Bedürfnis der Menschen ging keineswegs verloren, sondern die Bereitschaft, die Kirche als einzige Mittlerin rechten Glauben anzuerkennen. Wesentliche Bestandteile der kirchlichen Lehre stehen nicht mehr im Einklang mit dem Wissenstand von heute und fortgesetztem Suchen nach Erkenntnis. Immer mehr drängt sich die Frage auf: ist das noch die Kirche jenes Jesus, der alles Regelwerk religiöser Obrigkeiten verwarf und das Dienen statt des Herrschens forderte?» Die Diskussion ist eröffnet – Fortsetzung folgt
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant