Eine zu pessimistische Sicht?
Ein letzter Abschnitt aus einem Beitrag von Roland Hinnen:
«Der härteste Beweis für die Irreformabilität der Römischen Kirche ist die Entwicklung nach dem II. Vatikanum. Obwohl 3000 Bischöfe die Reform der Kirche an Haupt und Gliedern zusammen mit dem Papst beschlossen haben, hat das Römische System wieder weltweit den vorkonziliaren Zustand durchgesetzt.
Elementare Voraussetzungen für eine ReformSoll eine Reform der Kirche gelingen, ist eine alles und alle durchdringende Mentalitätsänderung (Bekehrung) elementare Voraussetzung: Nicht Macht über die Menschen, sondern schlichter, uneigennütziger Dienst an ihrem Wohl, Nachfolge Jesu auch in der Praxis der Leitung. Organisatorisch aber setzt eine Reform der Kirche die folgenden strukturellen Änderungen voraus: überall freie Wahl der Bischöfe allein durch die jeweilige Ortskirche, Papstwahl durch eine repräsentative Auswahl aus diesen Bischöfen, beschränkte Amtsdauer (max. 12 Jahre) für die Bischöfe und vor allem den Papst.Auf lange Sicht ist zudem ein grundsätzlich anderes Konzept von Kirche notwendig: Ihr Aufbau von unten, aus den Ortsgemeinden, wobei übergeordnete Gremien nur gemäss Subsidiaritätsprinzip ein-greifen dürfen. Das ist übrigens genau das neutestamentliche, in der Urkirche realisierte Konzept der Lebens- und Weggemeinschaft Jesu Christi. Jede Ortskirche ist im Vollsinn Kirche – freilich nur in Verbundenheit mit den andern.Aufgrund der etablierten, betonierten, dogmatisierten Machtstrukturen haben heute und in Zukunft nicht einmal mehr die oben erwähnten minimalen Voraussetzungen eine reale Chance. Folglich erweist sich die Römische Kirche als auf Dauer irreformabel. Bittere Einsicht: Ein Leben der Kirche im Sinn der Nachfolge Jesu ist daher heute und künftig nur noch an der päpstlichen Hierarchie vorbei zu realisieren.Roland Hinnen (Jg. 1935), 4106 Therwil
Eine zu pessimistische Ansicht? In einem längern Interview mit dem Westschweizer Radio zur Bi-schofsweihe von Felix G. habe ich die Meinung geäussert, es blieben der Kirchenleitung nur noch wenige Jahre, um Reformen mit der Basis zusammen durchzuführen. Die Moderatorin der Sendung meinte, meine Sicht sei recht pessimistisch …
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant