Film-Tipp

Arme SeelenIch war gespannt auf diesen Film; nicht nur, weil ich den Autor Edwin Beeler persönlich kenne und seine bisherigen Werke schätze. Ich stamme auch aus einer Gesellschaft, in der arme Seelen eine wichtige Rolle spielten. Manche in unserer Umgebung konnten von Begegnungen mit armen Seelen erzählen. So haben sich bei meiner Mutter mehrere gute Bekannte «gekündigt», dh. Sich in der Stunde ihres Todes gemeldet.Der Film hat mich keineswegs enttäuscht. Sehr einfühlsam lässt er Menschen erzählen, wie sie unheimlichen Gestalten begegneten. Vor allem Männer – und wenige Frauen – kommen zu Wort aus dem Luzerner Hinterland, dem Entlebuch, vom Isenthal und dem Schächental, von Schwyz, Stans, Giswil sowie den Probst von Beromünster. Ich möchte sagen, mit «Ehrfurcht» werden die Erzählungen im Raum stehen gelassen, völlig ohne aufklärerisches Pathos. Ganz am Rande sind skeptische Stimmen zu hören. Zum Beispiel: «Ein Mann hat mir von der Begegnung erzählt. Vom Hören-sagen lernt man lügen.» Oder: «Viele Phänomene lassen sich gut erklären: Die Gespenster auf dem Estrich waren in Wirklichkeit Marder, die mit dem dort gelagerten Gerümpel einen Lärm veranstalteten.»Insgesamt aber, nach Goethe: Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erden als deine Schulweisheit sich träumen lässt.»

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/film-tipp/