Voten der Bischöfe

Mit Datum vom 18. Juni 1959 wurden die Bischöfe der ganzen Welt (Diözesanbischöfe, Weihbischöfe, Nuntien) und die katholischen Universitäten ebenso wie die römischen Dikasterien aufgefordert, Beobachtungen und Voten für das Konzil zu äussern und damit zu benennen, welche Themen auf dem Konzil erörtert werden sollten. Auf einen ursprünglich beabsichtigten Fragebogen, der die Antworten bereits gelenkt hätte, wurde vermutlich unter Einfluss von Papst Johannes XXIII. verzichtet – ein erster Schritt hin dazu, die Bischöfe in ihrer eigenen Verantwortung ernst zu nehmen.
Bis zum Sommer 1960 gingen über 2000 Antworten ein: 76,4 %, «eine gute Marktreaktion» (He 469). Obwohl ausdrücklich in lateinischer Sprache erbeten, wurden zahlreiche Voten in anderen Sprachen, vor allem auf französisch und englisch verfasst. Das Churer Votum wurde in italienischer Sprache eingereicht. Die meisten Bischöfe antworteten einzeln – in vielen Ländern stand die «Erfahrung» und Wertschätzung der Ebene der Bischofskonferenz noch aus. Die thematische Palette der Antworten reichte vom Wunsch nach dogmatischen Definitionen und Verurteilungen über das Plädoyer für eine Liturgiereform, ökumenische Fragestellungen, Aussagen über die Stellung der Laien, das Desiderat einer Theologie des Episkopates und der Kollegialität der Bischöfe bis hin zum Postulat der Internationalisierung der zentralen Kirchenleitung und dem Hinweis auf globale Themen wie Bevölkerungswachstum.
Diese Antworten wurden von der vorbereitenden Kommission (Commissio antepraeparatoria) gesichtet und geordnet. Daraus entstanden in weiteren zehn vorbereitenden Kommissionen die ca. 70 Textvorlagen (Schemata), die vom Konzil hätten behandelt werden sollen – nur schafften manche Schemata den Weg in die Konzilsaula dann schon gar nicht mehr.(emf)

Konzilsblogteam

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