«Der Zölibat ist der Schatz der Kirche»

Pastoraltheologisch SeltsamesKath.net dokumentiert ein Interview aus der dt. Tagespost. Hier treffen sich zwei äusserst konservative Medien. (Wikipedia weiss über kath.net viel Lesenswertes …). Der Münchner Pastoraltheologe Andreas Wollbold meint hier, eine Abschaffung des priesterlichen Zölibats käme einer kirchlichen Selbstaufgabe gleich. Der Artikel gibt weitere Abstrusigkeiten wieder. Einige kurze Abschnitte, kurz kommentiert:
Zur Frage, ob der der Priestermangel die Aufgabe des priesterlichen Zölibats erzwinge: «Nein, ganz im Gegenteil. Der pastorale Notstand der Gemeinden ist ein Glaubensnotstand, ein Notstand an gelebter Hingabe unter den Gläubigen. Und diesem Notstand kann man nur mit mehr Zölibat, das heißt mit mehr Gesinnung der Ganzhingabe begegnen, nicht durch Abschaffung dieses Zeichens der Hingabe.»
Soll das heissen, in Kontienten des Südens mit einem zum Teil noch horrenderem Priestermangel herrsche noch mehr Glaubenslosigkeit?
Zur Liturgie: «Wir erkennen heute auch deutlicher als noch vor wenigen Jahrzehnten die unverkennbaren Schwächen der Liturgiereform selbst. Faktisch trug sie doch dazu bei, dass die Liturgie bloß als Veranstaltung von Menschen für Menschen wahrgenommen wird. Und da geht man eben nur hin, wenn es einem etwas bringt und wenn es einem passt.»
Tatsächlich schrecklich die Vorstellung, die Liturgie müsse auf die Menschen eingehen…..
Es gäbe kein Recht auf Eucharistie: «Es gibt nicht im eigentlichen Sinn ein Recht der Gemeinden auf die Eucharistie. Es gibt die Pflicht der Gläubigen, sonntags an der Messfeier teilzunehmen. Aber hier fangen ja die Probleme an. Selbst Gemeindeverbundene lassen die Messe oft leichtfertig ausfallen. Insofern ist es das Entscheidende, dass die Gläubigen verinnerlichen, dass die Kirche vom eucharistischen Opfer Christi lebt. Wenn wir das verstanden haben, dann kommt es nicht darauf an, ob der nächste Kirchturm in Sichtweite ist oder ob wir vielleicht ein paar Kilometer fahren müssen, um am Gottesdienst teilnehmen zu können. Das sollte uns die heilige Messe wert sein.»
Nochmals zum Süden: Ich war in Gegenden, in denen die Gläubigen ganze Tagesreisen zur nächsten «Eucharistie-Station» unternehmen müssen, zu Fuss oder im Boot.
Zurück zum Zölibat: «Gerade die augenblicklichen Diskussionen bis tief in den säkularen Bereich hinein zeigen, dass der Zölibat sehr wohl als Zeichen verstanden wird. Als Zeichen des Widerspruchs, als Ärgernis, gewiss. Aber das ist mit dem Kreuz nicht anders. Wie dieses kann der Zölibat nur verstanden werden, wenn ein Mensch gläubig auf das Himmelreich ausgerichtet ist. Diese übernatürliche Sichtweise ist aber nicht nur in den weltlichen Medien, sondern auch bis weit in den institutionell verfassten Katholizismus hinein nicht mehr vorhanden. Das heißt, das mangelnde Verständnis für den Zölibat unter den Gläubigen ist ein Seismograph für die tiefe Glaubenskrise unserer Zeit.»
Warum wohl hat Jesus dieses Kreuz nicht dem Petrus und den andern Aposteln auferlegt?
Und eine weitere professoriale Einsicht zur Frage, ob die Weihe von viri probati nicht zu einer schönen Anzahl von Neupriestern führen würde: " … Das hieße, Quantität über Qualität zu stellen. Die Qualität, nämlich die spezifische Physiognomie gerade der katholischen Kirche, ist auf das engste mit dem Zölibat des Weltpriesters verbunden.»
Liebe PastoralassistenInnen und GemeindeleiterInnen: Ihr hättet dies nicht lesen dürfen.
Und hier bitte nicht an die Ostkirchen denken oder an die übergetretenen verheirateten anglikanischen Priester und Bischöfe: «Der Zölibat ist ihr (der kath. Kirche) Stolz, ist ihr spezifischer Schatz, den sie wie einen Augapfel hüten muss. Gerade mit diesem Schatz wird sie die Menschen immer wieder zu Gott erheben. Wenn die katholische Kirche diesen Schatz aufgeben würde, würde sie sich selber und sicher auch wesentliche Elemente des Amtspriestertums fast zwangsläufig mit aufgeben.
Und jetzt werde auch ich desillusioniert. Ich dachte immer, auch als Priester sei ich Mensch geblieben: «Die amerikanischen Religionssoziologen Stark und Finke haben überzeugend den Zusammenhang zwischen dem nachkonziliar verflachten Priesterbild und dem Rückgang von Berufungen nachgewiesen. Das fängt mit äußeren Zeichen an: Dort, wo der Priester bewusst Zivilkleidung trägt, signalisiert er, dass er ein Mensch wie jeder andere sein will.»
In den 68er-Jahren galt für die Ordensreform: Alle Brüder werden Menschen. Damit ist es offenbar vorbei ….

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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