Das Papstsystem (II.)

Das Evangelium als VorwandManche «Papstfromme» mögen die folgenden Ausführungen von Roland Hinnen für falsch halten. Doch historisch gesehen hat sich die Entwicklung so vollzogen. Das römische Recht bestimmte, nicht das Evangelium, das die Herrschaft von Menschen über andere Menschen ablehnt (»bei euch soll es anders sein.»)
«Das Römische System hat nichts mit dem Evangelium zu tun, sondern ist historisch, der Kon-zeption und dem Wesen nach die Nachfolge-Institution des Imperium Romanum, allerdings religiös verbrämt (der Papst als oberster Priester, d.h. pontifex maximus). Dieses System folgt den jedem machtpolitischen System immanenten Gesetzen, nicht dem Geist oder den Normen des Evangeliums Jesu.Der gesamte Erdkreis (oder zumindest die ihn bewohnenden Christgläubigen) gehört nach diesem Konzept dem Papst. Wie die alten Römer teilt er sein Reich in Verwaltungsbezirke (Diözesen) auf und setzt über jeden einen Statthalter (Bischof). Auf jeden Katholiken, sei er Laie oder Amtsträger, hat er unmittelbaren Zugriff, d.h. der Papst kann, wenn er nur will, sämtliche Zwischeninstanzen zur Seite schieben und aushebeln.Dieses System ist eine Bürokratie, die sich nach den einer Bürokratie eigenen Gesetzen verhält. Vor allem verteidigt es mit Zähnen und Klauen seine angebliche Notwendigkeit und seine universale Macht – mit Berufung auf göttliches Recht. Es funktioniert im Grunde auch ohne Papst, bezieht allerdings aus dessen vermeintlichen Prärogativen seine Legitimation. Weil die religiöse Bindung eine Revolution in der Kirche unmöglich macht (es wäre ja Empörung gegen den Stellvertreter Jesu bzw. Gottes!), ist – anders als in der weltlichen Gesellschaft – ein gewaltsamer Umsturz und Umbruch undenkbar.Massgebend, innere Struktur und Basis für das Römische System ist das Kirchenrecht – und nicht das Evangelium Jesu. Und dieses Kirchenrecht wird aufgrund des Universalprimats allein vom Papst gesetzt (absolutistischer Fürst), er selber muss sich nicht daran halten. Das immer wieder bemühte Evangelium ist nichts weiter als ein Aufkleber auf dem System, der falsche Versprechungen macht: Der Inhalt entspricht in keiner Weise der Aufschrift. Herrschaft über andere z.B. ist mit dem Beispiel und der Botschaft Jesu inkompatibel.Die Katholiken, selbst kritische, sind auch heute dermassen mit devoter Pietät gegenüber dem Papst imprägniert (religiöse Anhänglichkeit), dass eine öffentliche Kritik am Papst und seinem System tabu ist. Die Papstfrömmigkeit, seit Jahrhunderten gezielt gefördert, ist das eigentliche, irrationale, wegen seiner Emotionalität hinterhältige Bollwerk für den Zentralismus und die Universalherrschaft. Die nachträgliche Begründung des päpstlichen Universalanspruchs mit Berufung auf Mt 16,18 (»auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen») wird Gläubige stets verfangen – die unmittelbar nachfolgende Charakterisierung desselben Petrus als Satan (V. 23) wird stets verschwiegen.» Tatsächlich, wann wird dieser Vers 23 zitiert?

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/das-papstsystem-ii/