Wenige Wochen nach der Ankündigung des Konzils entwarf Otto Karrer ein Memorandum, das grundsätzliche und konkret detaillierte Überlegungen anstellte, was das Konzil aus dem Blickfeld der Verständigung unter Christen tun könne und solle.
Das Dokument wurde an ökumenisch aufgeschlossene Kardinäle, Bischöfe und Theologen versandt. Schweizer Empfänger waren Bischof François Charrière, Johannes Feiner in Chur, Hans Urs von Balthasar in Basel und Hans Küng, Vikar an der Luzerner Hofkirche.
Eine säkulare «ökumenische» Sache, located in SwitzerlandDas Memorandum dokumentiert, wie sehr in der Schweiz ein ökumenisches Ethos gereift war, das sich nun anschickte, in Verbindung mit parallelen Initiativen anderer Ortskirchen in die Weltkirche hineinzuwirken. Hans Urs von Balthasar hatte 1951 die erste grössere katholische Auseinandersetzung mit Karl Barth veröffentlicht. Hans Küng dynamisierte 1960 die ökumenische Frage in seinem programmatischen Werk «Konzil und Wiedervereinigung. Erneuerung als Ruf in die Einheit».
Am Ende der ersten Konzilssession wurde Küng zum Peritus berufen. Mit der Berufung von Johannes Feiner zum Konsultor des römischen Sekretariates für die Einheit der Christen im Jahre 1960 hatte schweizerisches ökumenisches Bemühen nunmehr die Anerkennung römischer Gremien gefunden.(Victor Conzemius; vgl. Coz 95f)
Aus dem Memorandum von Otto Karrer:«Eine dogmatische Vereinigung mit den Protestanten ist derzeit nicht möglich. Doch ist seit der Erklärung von Toronto (1950) eine ständige Fühlung mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen zu empfehlen und aus Gründen christlicher Solidarität anzustreben. In psychologischer Hinsicht ist darauf hinzuweisen, daß die päpstlichen Bemühungen für eine Wiedervereinigung auf den ausdrücklichen Willen Jesu Christi zurückgehen; auch die katholische Mitschuld an der Trennung ist einzugestehen. (Vgl. das Schuldbekenntnis Papst Hadrians VI.). Nach der Erfahrung aller Katholiken, die in der ökumenischen Bewegung tätig sind, stößt die getrennten Christen nichts mehr ab als die Meinung, ‹Union› bedeute nichts anderes als die Unterwerfung der Protestanten unter den Hl. Stuhl».(Zitiert nach: Lieselotte Höfer: Otto Karrer 1888-1976. Kämpfen und Leiden für eine weltoffene Kirche. Unter Mitarbeit und mit einem Vorwort von Victor Conzemius. Freiburg 1985, 394-400, hier: 395; Birgit Jeggle-Merz)
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