Übertriebene ....

… UnfehlbarkeitBischof Robinson: «Die Euphorie, die auf die Proklamation der päpstlichen Unfehlbarkeit und universellen Jurisdiktion durch das Erste Vatikanische Konzil folgte, war so enorm, dass die relativ nüchterne Wortwahl der Konzilsdokumente in der Folgezeit in Vergessenheit geriet. Die Auslegung der Konzilsbeschlüsse geriet sehr umfassend, und übertriebene Formulierungen wurden verwendet, deren Auswirkungen bis heute spürbar sind. Infolgedessen sah man den Papst nun abgehoben, überweltlich, nicht als Teil des Bischofskollegiums. Nicht der Papst diente den Bischöfen, sie mussten ihm dienen. Was ursprünglich als Einheitsprinzip gedacht war, wurde nun zum Führungsprinzip. Zeitgenossen sprachen davon, dass die gesamte katholische Weltkirche die »Diözese des Papstes« sei. Die Kirche bildete keinen Kreis, dessen einende menschliche Mitte der Bischof von Rom war, sondern – entsprechend dem Idealbild der absolutistischen Herrschaftsform – eine Pyramide mit dem Papst an der Spitze.»
Und immer mehr wurde auch die Kurie «unfehlbar». Ich erinnere mich, wie an einer Bischofssynode ein Kurialer die Bischöfe und die andern Gläubigen aufforderte, auch den Mitarbeiter des Papstes so bedingunslos zu gehorchen, als ob sie der Papst selber wären.

Walter Ludin

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