Was tun die Bischöfe?Herbert Kohlmaier, der Chef der österreichischen Laieninitiative, äussert in einem Rundschreiben Gedanken, welche den Ernst der Lage zeigen. Einige Abschnitte:
So ist auch zu bezweifeln, ob der Aufruf des Vorsitzenden der Deutschen BischofskonferenzZollitsch, «die bohrenden Zweifel an verschiedenen Lehren der Kirche aufrichtig zu bedenken»wirklich befolgt wird. Der von ihm vorgeschlagene große Gesprächsprozess mit Berichtan Rom scheint die konservativen Bischöfe des Landes eher nicht zu begeistern. Eigentlichergibt sich immer wieder das selbe Bild: Es wird Hoffnung erweckt, ein aufatmendes «Endlich»geht durch die Reihen. Aber alles scheitert dann am sturen Nein des Vatikans.Es gibt allerdings auch immer wieder Bischöfe, die ein Überdenken der Lehre verlangen – inBelgien, der Schweiz, Südtirol, Berlin, Hamburg und Bamberg. Das Gleiche gilt für Äbte,allerdings verstärken sich solche Zeichen von Mut mit dem Erreichen des Ruhestandsalters.Wie Rom darauf reagiert zeigte sich in einer unbarmherzigen Strafaktion gegenüber dem beliebtenBurgenländischen Bischof Iby. Die Riege der Konservativen, die durch gezielte Bischofsernennungensystematisch gestärkt wird, sorgt dafür, dass nichts vorankommt.Können wir mit den Bischöfen rechnen?Die Frage erhebt sich daher immer wieder und beschäftigt alle Reformbewegungen: Könnenwir mit den Bischöfen rechnen? Sollen wir sie weiter ansprechen, versuchen, sie zu bewegenund irgendwie für uns zu gewinnen? Die Antwort muss ernüchternd ausfallen. So sehr Beharrlichkeitnötig ist und die Hoffnung nie aufgegeben werden darf, ist eine wirkliche Unterstützungvon hier nicht zu erwarten. Soweit es noch aufgeschlossene Bischöfe gibt, scheiternsie an den «Hardlinern» ebenso wie an einem Papst, der stets betont, am ausschließlichen Einsatzunverheirateter männlicher Priester sei nicht zu rütteln.Die Reformdiskussion verlagert sich daher geradezu zwangsläufig auf eine viel wesentlichereEbene, nämlich die Aufgabe und Pflicht des bischöflichen Dienstes. Dieses Amt wurde vonden Päpsten der jüngeren Kirchengeschichte systematisch abgewertet und durch eine ganzdarauf ausgerichtete Personalpolitik in die Rolle von Außenstellen der römischen Zentralegedrängt. Das auch vom Konzil bekräftigte Kollegialprinzip ist nur mehr eine Farce. Was inder Kirche geschieht, diktieren weltfremde Religionsbürokraten und ein von seinem Amtüberforderter Papst. So wird die Zukunft der Kirche aufs Spiel gesetzt.Der Seelsorgenotstand wird immer ärger. Es ist einfach nicht mehr zu verstehen: Warum beugensich vom – wie das Gesetz sagt – Heiligen Geist berufene Hirten dem Ungeist? Warum istihnen ein steriler und bedingungsloser «Gehorsam» wichtiger als ihre Pflicht, den Niedergangder Kirche abzuwenden? Sie machen sich mitschuldig an der Zurückweisung wertvoller Berufungen,was der Tübinger Pastoraltheologe Ottmar Fuchs eine «strukturelle Todsünde» nennt.Die sich aus dem allgemeinen Priestertum der Getauften ergebende Verantwortung muss unsveranlassen, diesem argen Misstand ganz energisch entgegenzutreten! Mit offenen Worten,deutlich, ohne falschen Respekt und überholtes Obrigkeitsdenken. Wir sind in dieser sehrernsten Situation nicht Bittsteller, die sich um die Gnade des Gehörs zu bemühen haben.Würde uns dieses verweigert oder fruchtlos bleiben, sollte es keinen Grund mehr geben, aufjene zu hören, ja in Wahrheit gar keine Bischöfe des Volkes sondern kirchenpolitische KommissareRoms sind. Es bleibt den Reformkräften dann keine andere Wahl mehr, als eigenständigund eigenverantwortlich alles selbst zu unternehmen, was unsere Kirche aus ihrer verhängnisvollenUmklammerung befreit und Wege in eine Zukunft lebendigen Glaubens öffnet.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/die-geduld-der-basis-ist-bald-am-ende/