Filme aus dem Süden

Statt «Tarzan» «Bodhi Dharma» (Hier der erste Teil meines ite-Artikels über Filme aus dem Süden)trigon-Filme: die Welt zu Gast
Es ist noch nicht sehr lange her: Wenn in den Kinos Filme über fremde Kulturen zu sehen waren, handelte es sich um zumeist billige Machwerke, die mit der Wirklichkeit fast gar nichts zu tun hatten. Eine Wende brachte bei uns die vor 22 Jahren gegründete Stiftung trigon-film.
Viele unserer Generation, die vor 50 Jahren aufgewachsen sind, schwärmten für Filme wie «Tarzan» und «Winnetou». Wenn ich heute diese Streifen im Fernsehen nochmals sehe, gerate ich in die Gefahr, gegen Übelkeit zu kämpfen – und nach dem Abstellknopf zu greifen. Denn, da ist kaum etwas echt.Die Eingeborenen Afrikas werden durch geschwärzte Weisse dargestellt. Die «Rothäute» Amerikas sind eben- falls angemalte Bleichgesichter, die in – zugegeben wunderschönen – Landschaften des ehemaligen Jugoslawien agieren.
1988: afrikanischer FilmZugegeben, in den damals noch zum grössten Teil kolonialisierten Ländern gab es kaum eine einheimische Filmproduktion. Doch als diese schon längst blühte, wurde sie im «Westen» kaum wahrgenommen. Erst 1988 kam der erste schwarzafrikanische Film in die Schweizer Kinos! Ein typisches Beispiel für die Chancenlosigkeit des südlichen Filmschaffens: Noch 1989 verliessen in Cannes die meisten Filmkritiker den Saal,als das koreanische Meisterwerk «Warum Bodhi Dharma in den Orient aufbrach». Der Schweizer Bruno Jaeggi liess sich vom Desinteresse seiner Kollegen nicht anstecken. Er nahm den Film als einer der ersten in den Verleih von trigon-film auf, deren Hauptverantwortlicher er nach der Gründung der Stiftung im Jahre 1988 war. Er täuschte sich nicht: «Bodhi Dharma» lockte über 100 000 Menschen in die Kinos – für hiesige Verhältnisse ein Traumergebnis.
Chinese kennt RodersdorfBruno Jaeggi (ich erinnere mich an ihn als einen lieben, bescheidenen Journalistenkollegen) steckte seine ganz Liebe und Energie in die Förderung des südlichen Filmschaffens. Er arbeitete nicht von einer Metropole aus. Der erste trigon-Geschäftssitz war seine Wohnung in Rodersdorf, am Rande der Schweiz, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Elsass.Walter Ruggle, Jaeggis Nachfolger, erinnert sich: «Wenn ich irgendwo auf der Welt jemanden im Filmbereich treffen konnte und wenn ich von trigon-film zu sprechen begann, dann sagte der Chinese, der Kubaner oder Senegalese: «Ah, trigonfilm, Rodersdorf.»
Fortsetzung folgt

Walter Ludin

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