oeku Kirche und Umwelt lehnt neue Atomkraftwerke ab(Als Gründungs- und langjähriges Vorstandsmitglied der oeku – bis Mai dieses Jahres – freue ich mich über die folgende klare, sehr argumentative Stellungnahme)
Obwohl das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI die drei Standorte Mühleberg, Gösgen und Beznau für geeignet hält, empfiehlt oeku Kirche und Umwelt, neue Atomkraftwerke an der Urne abzulehnen. Ethische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Argumente sprechen dagegen. Die Zukunft gehört der Energieeffizienz und den erneuerbaren Energien.
Bis Ende März 2011 müssen sich die Kantone zu den Rahmenbewilligungsgesuchen für neue Atomkraftwerke äussern – in den Kantonen Waadt, Bern und Jura sind Volksbefragungen vorgesehen.
oeku Kirche und Umwelt hat grundsätzliche, ethisch begründete Einwände gegen neue Atomkraftwerke:
1.) Die Lagerung des hochradioaktiven Abfalls ist noch nicht einmal für die bestehenden Atomkraftwerke gesichert. Die Bewilligung neuer Werke stellt das bisherige Verfahren in Frage, einen Lagerstandort zu finden.
2.) Atomenergie widerspricht grundsätzlich der Generationengerechtigkeit: Während weniger Jahrzehnte profitiert eine einzige Generation von dieser Art der Stromproduktion. Künftigen Generationen bleibt die Aufgabe, über tausende von Jahren den hochgiftigen Abfall zu hüten.
3.) Die Nutzung der Atomenergie ist mit beträchtlichen Risken verbunden. Ein grosser Unfall hat katastrophale Auswirkungen, wie der Reaktorunfall von Tschernobyl gezeigt hat. Ein Unfall kann auch bei neuen Reaktoren nicht ausgeschlossen werden. Zu berücksichtigen ist zudem die Gefahr von Terroranschlägen.
4.) Atomenergie ist nicht erneuerbar. Uran muss genauso wie Erdöl aus dem Ausland importiert werden und ist ein endlicher Rohstoff.
5.) Der Uranabbau und die Herstellung von Brennelementen ist mit grossen ökologischen und gesundheitlichen Belastungen für die betroffene Bevölkerung verbunden, wie aktuelle Beispiele dokumentieren.
6.) Alternativen sind vorhanden, wirtschaftlich einsetzbar und haben weniger Nachteile als Atomkraftwerke. Verschiedene Studien, u.a. das Szenario IV des Bundesamtes für Energie zeigen, dass eine sichere Stromversorgung auch ohne neue Atomkraftwerke möglich ist. Es ist eine Frage des politischen Willens, diesen Weg zu gehen.
7.) Im Zug der Liberalisierung des Strommarktes, der Fortschritte bei der Energieeffizienz sowie den erneuerbaren Energien ist zudem damit zu rechnen, dass sich die Investition in weitere Atomkraftwerke, die erst 2030 betriebsbereit wären, wirtschaftlich gar nicht lohnt.
oeku Kirche und Umwelt ist überzeugt, dass der Energieeffizienz und den erneuerbaren Energien die Zukunft gehört. Die Laufzeit der bestehenden Atomkraftwerke muss genützt werden, um mit gezielten Massnahmen den Stromverbrauch zu senken und die erneuerbaren Energien zu fördern. Den Berner Stimmberechtigten empfiehlt die oeku darum, beispielhaft voranzugehen, den Neubau in Mühleberg abzulehnen und dem kantonalen Energiegesetz inklusive Förderabgabe auf Strom zuzustimmen.
Kontakt:
oeku Kirche und Umwelt
Kurt Zaugg-Ott, Dr. theol.
Postfach 7449, 3001 Bern
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Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant