1966: was Bischof Schoiswohl sagte

Ein Plauscherl in der KircheDie Laieninitiative Österreichs hat einen «uralten» Text ausgegraben: der Bericht über einen Vortrag, den der damalige Grazer Bischof Schoiswohl 1966 gehalten hat. Leider immer noch sehr aktuell. Es folgt der erste Teil.
Bischof Schoiswohl sprach im Festvortrag der Martinsfeier in Eisenstadt über die Kirche der Zukunft – Anstelle des «bedingungslosen Gehorsams und der Gängelbandmethoden wird die Kollegialität auf allen kirchlichen Ebenen treten, der Abbau des weltlichen Herrschaftsstiles, von Hofhaltung und Byzantinismus Eisenstadt 14.11.1966 Die katholische Kirche im Burgenland beging ~ in Verbindung mit dem Jubiläum Bischof Laszlos ~ durch eine Feier im Eisenstädter Schloss auf festliche Weise den Tag des burgenländischen Landespatrons, des hl. Martins. Der Grazer Bischof Schoiswohl beschäftigte sich dabei in seinem Festvortrag auf Grund der Aussagen der Theologie der Gegenwart und des Zweiten Vatikanischen Konzils mit den Strukturen der Kirche der Zukunft. Dabei unterstrich der Bischof mit Nachdruck, dass die Kirche wesentlich brüderliche Gemeinde zu sein habe. In der Kirche der Zukunft werde die Gemeinschaftsstruktur stärker hervortreten und das Leben der Gläubigen bestimmen»Der Vortragende sprach sich in diesem Zusammenhang für die Vermenschlichung der gottesdienstlichen Atmosphäre aus.Er bemerkte, dass ein «Plauscherl» in den Bänken vor Beginn des Gottesdienstes mehr den Gemeinschaftscharakter und die christliche Freundlichkeit zum Ausdruck bringe als die Abschließung von den anderen auf Grund einer individualistischen Frömmigkeitsauffassung. Mit Bedauern stellte er fest, dass in der Gegenwart der Christ ein «privatisierender Christ» geworden ist, der in erster Linie sein individuelles Heil sucht und dabei glaubt, die christliche Norm zu erfüllen. In der Kirche der Zukunft werde sich jeder Getaufte, der den anderen nicht zu Hilfe kommt und nicht die Gesinnung der Brüderlichkeit aufbringt, von selbst außerhalb der Gemeinde stellen.
(Teil 2 folgt)PS. Kurz vor seinem Tod hatte ich in der Nähe von Wien ein sehr interessantes Interview mit dem damals fast 90jährigen Alt-Bischof.

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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