An der TheaterkasseZurzeit lese ich das BuchSalcia Landmann: Der jüdische Witz (Rezension folgt). Hier einer der über 3000 Witze:Meisl aus Czernowitz ist in Geschäften nach Wien gekommen. Abends will er ins Burgtheater und fragt an der Kasse: «Nu, was spielen Sie heut?»«Was ihr wollt.»«Guut! So soll sein die Csardasfürstin!»
Mir ist in Ostberlin vor der Wende etwas Ähnliches passiert. Ich wollte eine Aufführung des Berliner Ensembles sehen, das auf Brecht spezialisert ist. Telefonisch erkundigte ich mich nach dem Stück, das am betreffenden Abend auf dem Programm stand: «Bezahlt wird nicht.» Da ich kein Brechtstück mit diesem Titel kannte, dachte ich, es handle sich um eine geschlossene Vorstellung, für die man keine Karten kaufen (»bezahlen») könne. Nun, «Bezahlt wird nicht» war die deutsche Übersetzung von «Non si paga» (Dario Fo).
Ein weiteres Theaterkassenerlebnis hatte ich in Luzern. Ich wollte telefonisch einen Platz reservieren. Die Dame an der Kasse, eine ältere Deutsche (wohl ehemalige Schauspielerin, die sich voll mit dem Betrieb identifizierte): «Ich bin ausverkauft. Ich bin total ausverkauft.» Ich dachte es bloss: «Sie interessieren mich nicht. Ich will ins Theater.»
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant