Ausgebranntes Seminom …. Cassandra am KrankenbettWie bereits kurz gemeldet, verlief die dritte Operation am vorletzten Montag sehr gut. Ich hätte schon im Dienstag nachhause können, zog es aber vor, noch eine Nacht zu bleiben, da ich Schmerzen und leichtes Schwindelgefühl hatte. Der Befund überraschte mich: «Ausgebranntes Seminom». (Erst seit den 1970-er Jahren kennt man diesen Ausdruck für eine besondere Art von Hodenkrebs.) Ich dachte, nur Lehrer, Bischöfe und Journalisten könnten ausbrennen…Als ich den Chefarzt Prof. Dr. J. darauf ansprach, dass Hodenkrebs vor allem bei jungen Männern zwischen 18 und 40 vorkommt, meinte er lachend: «Sie sind ein junger Mann. Sie sind 35…»Da der Rest des «Ausgebrannten» aktiv und bösartig war, hat er Metastasen bis zum Schlüsselbein geliefert, die nun durch Chemo (»chemische Reinigung», nenne ich sie) entfernt werden müssen. Die erste Runde, 72 Stunden dauernd an der Flasche, verlief ohne grosse Nebenwirkungen. Allerdings hat der Arzt bloss 25 Prozent des möglichen Giftes verwendet. In zwei Wochen geht’s weiter.PS. «Namentliches»: Als ich auf die Abteilung kam, begrüsste mich Frau Schwarz: «Frau Wyss wird Ihnen Ihr Zimmer zeigen.» – Eine Nachtschwester hatte den seltenen Vornamen Cassandra. Wenn ich sie rief, wars ein Cassandra-Ruf, einfach mit anderem Subjekt-Objekt-Verhältnisse als bei den alten Griechen…
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant