Wenig euphorisch, sehr zurückhaltend, ja skeptisch muss die Stimmung in Innsbruck nach der Ankündigung des Konzils am 25. Januar 1959 gewesen sein. Auf welche Zurückhaltung dieses Vorhaben stiess, können wir einem Dokument entnehmen, das als die erste öffentliche Stellungnahme von Seiten Karl Rahners SJ zum Konzil gelten kann. Es ist die maschinenschriftliche Fassung einer stenographierten Mitschrift einer spontanen Wortmeldung P. Rahners aus den Kolloquien am Freitagabend.
P. Rahner pflegte in diesen Kolloquien, die unter dem Titel «Quaestiones quodlibetales» berühmt geworden sind, zu spontanen Fragen der Studierenden und anderer Anwesenden eine Antwort zu geben. Die erhaltenen Mitschriften sind deshalb so spannend, weil sie bis heute ein Denken im Vollzug dokumentieren.
An jenem 20. Februar 1959 lautete die Frage: Was haben wir von dem drohenden oder in Aussicht stehenden Konzil zu erwarten? Schon der Ton dieser Frage, wir wissen heute nicht mehr, wer sie stellte, lässt kaum auf euphorische Aufbruchsstimmung schliessen. Die Antwort Rahners entwickelte sich bedächtig, aber für sein weiteres Mühen um dieses Konzil nicht untypische Weise. Drei Fragekreise wurden angegangen. Was hat es mit diesen Ankündigungen genauerhin auf sich? Was bedeutet in der Ankündigung «ökumenisch»? Wie sollte ein Konzil nach dem Vaticanum I überhaupt arbeiten und in welcher Weise können die anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften daran teilnehmen? Abstimmen können sie natürlich nicht, aber wie können sie teilnehmen, ohne dass sie zur blossen Dekoration werden? Werden sie überhaupt kommen? Dabei erörtert Rahner die dogmatische Bestimmung eines Konzils auch im Blick auf das Dogma von 1870, sieht die immensen Schwierigkeiten in der Arbeitsweise, wenn über 2000 Bischöfe eingeladen werden, und sucht nach Lösungen.
In der dokumentierten Antwort, immerhin 4 Blatt in Maschinenschrift, kommt eine typische Haltung Rahners in seiner Arbeit für das Konzil zum Ausdruck: nach aussen die Erwartungen dämpfen und übersteigerte Erwartungen erst gar nicht aufkommen lassen, nach innen aber mit allem Nachdruck und aller Offenheit für ein bestmögliches Ergebnis streiten.
(Roman Siebenrock)
Konzilsblogteam
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