Gottesdienst ...

… und Weltdienst«…. Daraus ergeben sich auch Konsequenzen für die Feier des Herrenmahls. Im Zentrum christlichen Gottesdienstes steht nicht der Altar, auf dem ein sublimiertes «Opferritual» von einem mit «magischer Macht» ausgestatteten» Priester» vollzogen wird, sondern der Tisch, um den der Kyrios seine Gemeinde versammelt. Durch die Teilhabe an einem Brot und einem Becher konstituieren sich alle in der Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern als ein Leib (1 Kor 10,17) und gewinnen Anteil an dem «Neuen Bund», in dem ihnen das Herz von Stein genommen und ein Herz von Fleisch eingepflanzt wird (1 Kor 11,25; Jer 31,31; Ez 11,19). So antizipieren sie die Vision vom endzeitlichen Mahl, das Gott allen Völkern bereiten will (Jes 25,6; Mt 8,11). Sie gedenken ihrer Herkunft von Jesu befreiendem Handeln und werden immer wieder ermutigt, gegen Unrechtsverhältnisse und Zwänge für jene Utopie einer befrei¬ten Menschheit einzutreten. Der Alltag der Welt ist der Ort des wahren Gottesdienstes (Röm 12,1£). Dort haben alle den Dienst der Versöhnung zwischen Mensch und Gott und zwischen den Menschen zu betreiben.In der konkreten Gestaltung der Herrenmahlfeier sollte daher jede Geste vermieden werden, die diese Ursprungsintention in ihr Gegenteil verkehrt und – bewusst oder unbewusst – Unterdrückung statt Befreiung produziert. Betrachten wir unsere Gottesdiensträume, so wird das Dilemma deutlich. Meist geben sie in ihrer Architektur der christlichen Mahlgemeinschaft keine adäquate Gestalt. In ihrer Anlage sind sie weit häufiger Ausdruck der die christliche Gemeinde beherr-schenden repressiven Strukturen.Die Eucharistiefeier kann zudem nicht als das alleinige Zentrum ge¬meindlichen Lebens gelten. Dem kirchlichen Glauben an die «Gegenwart Christi im Altarsakrament» steht die Identifikation des Weltenrichters mir dem «Geringsten seiner Brüder» (Mt 25) entgegen. Christliches Gemeindeleben lässt sich insofern richtiger einer Ellipse mit den zwei Brennpunkten «Gottesdienst» -»Menschendienst» vergleichen, die sich gegenseitig bedingen und engstens aufeinander bezogen sind.»
PS: Wie wenig manche Hüter der Rechtsgläubigkeit von den biblischen Vorgaben verstehen, habe ich an zwei Reaktionen auf Artikel von mir erfahren:»«¢ Ich verwendete den Begriff «Herrenmahl». Eine Leserin warf mir vor, ein ebenso schlimmer Häretiker zu sein wie Hans Küng. «»¢ Ich machte mal den Vorschlag, statt die Werktagsmesse in der Kirche mit der Handvoll gleicher Leute zu feiern, in die Quartiere hinaus zu gehen, um dort in Gemeinschaftszentren oder auch in geeigneten Privathäusern Eucharistie zu feiern. Eine fromme Ordensschwester meinte, die Leute aus der Kirche zu treiben, sei «des Teufels». Ich machte sie auf die Apostelgeschichte aufmerksam, wo die ersten Gläubigen «in ihren Häusern feierten». Ob auch dort der Teufel im Spiele war????

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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