Keine Kultpriester

… aber PartnerAls ich in meinen Bericht über einen Tagsatzungs-Vortrag von Walter Kirchschläger referierte, Jesus habe keine Kultpriester eingesetzt, gab es da und dort nicht geringe Aufregung. Die Einsicht ist aber nicht neu. Sie findet sich beispielsweise auch in Hoffmanns «Jesus von Nazareth und die Kirche»:
«Aus dem Neuen Testament ergibt sich ein klarer Vorbehalt gegen das sacerdotale Missverständnis des christlichen Presbyteramtes: Die Ge¬meinde bedarf der vielen Priester und Mittler nicht. Das Neue Testament kennt keinen Kultpriester im Sinne des Opferers und Mittlers zwi¬schen Gott und den Menschen als Gemeindeamt. Alleiniger Mittler ist der Mensch Jesus Christus.’ Dieser Befund beinhaltet einen kritischen Vorbehalt gegen jeden Versuch, den christlichen Presbyter/Pfarrer als Kultpriester in diesem spezifischen Sinn zu begreifen. Der Vorbehalt richtet sich auch gegen neuere Versuche, in einer Art säkularisiertem Priesterverständnis dem Presbyter die Rolle des Heilers, Arztes oder Gurus zuzuweisen. Werden alle Getauften als Glaubenssubjekte ernst genommen, dann kann sich der Presbyter nur als Partner in einer ge-meinsamen Glaubensgeschichte begreifen, in der auch er zunächst einmal mit seinem Glauben und Unglauben steht. Oft wird er mehr zuhören und lernen, selbst häufiger Ermutigung empfangen, als belehrend und ermutigend zu wirken.»
Man vergleiche diese Einsichten mit dem Priesterbild, das im Jahr des Priesters von oberster Stelle propagiert wird. Vor Übelkeit sei gewarnt….

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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