Der Mainzer Kardinal Lehmann sagte einmal, die Geschichte des Einflusses Karl Rahners auf das Konzil müsse erst geschrieben werden. Das ist zwar inzwischen vielfach geschehen, aber die Wirkung Rahners auf die Konzilsteilnehmer ist nicht immer leicht aufzuspüren. Deutlich tritt Rahners Einfluss auf den Wiener Kardinal Franz König hervor. König war von Anfang an fest entschlossen, einen theologischen Berater (Peritus) nach Rom mitzunehmen und hatte den damaligen Innsbrucker Dogmatiker Karl Rahner SJ gewonnen. Es wird heute leicht vergessen, dass Rahner mitten in seiner umfangreichen Tätigkeit als Professor in Innsbruck, als Seelsorger und als Herausgeber des bekannten «Lexikons für Theologie und Kirche» an Pfingsten 1962 ohne Vorwarnung unter eine römische «Vorzensur» gestellt wird. Auslöser dürfte sein Vortrag auf dem Katholikentag in Salzburg im Juni 1962 gewesen sein. In seiner typischen Ironie überlegt Rahner, ob er unter anderem Namen weiterschreiben soll: «Ich habe wieder tolle Scherereien mit Rom. […] Ich hab […] gedacht: dann heiss ich von jetzt an Vorgrimler, Metz, Darlap» (1).
Sein Brief an König vom 12.07.1962 zeigt, wie sehr Rahner unter der Last seiner Verantwortung leidet: «Wer von einem Zensor als so Verdächtiger gelesen wird, wird als Angeklagter gelesen, der Zensor selbst hat Angst, er könne zu milde sein und etwas durchlassen. […] In einer solchen Situation kann ich nicht arbeiten. Es fällt mir einfach nichts ein. Kurz: Niemand kann mir befehlen, dass meinem armen Gehirn unter solchen Umständen etwas einfällt. […] Ich weiss von Leuten wie Henri de Lubac und Yves Congar, denen schon Ähnliches widerfuhr, wie sich solche scheinbar formaljuristisch harmlosen Massnahmen in der Praxis auswirken. Ich erkläre: es tut mir sehr leid, aber ich kann unter diesen Umständen nicht schreiben» (2).
Wie wir wissen, schreibt Rahner dann doch weiter, Johannes XIII. rehabiliert ihn kurz vor Konzilsbeginn. Er wird zu einem der bedeutendsten Konzilstheologen.
(Christian Cebulj)
(1) Zitiert nach: Herbert Vorgrimler: Karl Rahner: Kleine Brieffolge aus der Konzilszeit (II). In: Orientierung 48 (1984) 154f.(2) Zitiert nach: Aufbruch im Konzil. Karl Rahner und Kardinal König. In: entschluss 43 (6/1988) 29.
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