«Im Namen Gottes ...»

Nur «leere Worthülse»?Roger Fuchs schreibt in einer Glosse des St. Galler Tagblatts über Peter Bichsel:»Immer wieder bezieht er sich darin auf die Präambel «Im Namen Gottes des Allmächtigen», welche der Schweizer Verfassung vorangeht und sozusagen alle Gesetze als gottgegeben erscheinen lässt.»
Dies erinnert mich an die Diskussionen über den Entwurf der EU-Verfassung. Zahlreiche Bischöfe sahen es als Skandal an, dass dort kein Gottesbezug stand. Sie übersahen weit gewichtigere Defizite, so einen katastrophalen Mangel an sozialer Gerechtigkeit oder die sehr tiefe Hemmschwell, im Namen der EU in den Krieg zu ziehen (z.B. wegen so hehren Dingen wie Rohstoffsicherung ….)
Zurück zu Roger Fuchs, der den Blick auf einen Schweizer Kanton lenkt, in dem es fromm zu und hehr geht – ohne Konsequenzen für die Politik.»Doch wir können den Blickwinkel auch eingrenzen und uns beispielsweise auf die Innerrhoder Landsgemeinde konzentrieren, die auch heuer unter den Machtschutz Gottes gestellt werden wird. Bei der Eidesleistung schwören Landammann wie Landleute auf die Ehre Gottes. Als Zuschauer bekommt man den Eindruck, inmitten einer Veranstaltung von Vorzeigechristen zu stehen. Doch wenn an der Landsgemeinde so christlich getan wird, handelt man auch danach? Sind all die komplizierten Gesetze und Paragraphen gottgewollt? Wäre es Gott nicht lieber, an der Landsgemeinde Reiche zu sehen, die unkompliziert ihre Barmherzigkeit beweisen und getreu dem Motto «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst» Angespartes an Ärmere verteilen? Und das Jahr über: Gehen die Innerrhoder mit offenen Armen auf Fremde zu, sehen sie beispielsweise Muslime als Mitmenschen, die ihren Glauben leben dürfen (Stichwort Minarett)?Manchmal hat man wirklich das Gefühl, Traditionen – wie auch der Landsgemeinde-Eid – seien nur leere Worthülsen. Show vermeintlicher Christen. Scheinheilig.»

Walter Ludin

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