Zurück zu den UrsprüngenEine seriöse, zukunftsweisende Reform der Kirche ist nur möglich, wenn wir uns auf die Fundamente besinnen – wie sie uns in den neutestamentlichen Schriften begegnen. Leider beschränkt sich die heutige Kirchenleitung weitgehend darauf, alte Dogmen zu wiederholen, statt sich zu fragen, was Jesus wollte und was seine ersten JüngerInnen taten. Darum zitiere ich hier in freien Folgen aus dem wichtigen Werk von Paul Hoffmann: Jesus von Nazareht und die Kirche. Spurensicherung im Neuen Testament:
Die Frage nach dem «Wohin» der Kirche ist auf das Engste mit der Frage nach ihrem «Woher» verbunden. Es ist die Frage nach dem Ursprung christlicher Glaubensüberzeugung bei Jesus von Nazaret und zugleich die Frage, ob die Kirchen in ihrer historisch gewordenen Gestalt heute noch jenen Raum bilden, in dem der moderne Mensch das Evangelium Jesu Christi erfahren kann. …Grundlegend bleibt die Einsicht in den charismatisch-prophetischen Ursprung des Christentums bei Jesus von Nazaret. Kirche ist nur dann christliche Kirche, wenn sie diesem Ursprung die Treue hält. Konstitutiv für das jesuanische Erbe scheinen mir vor allem zwei Elemente zu sein: die Botschaft von dem «nahen» Gott, den Jesus Abba nannte, einem Gott, der sich jedem Menschen ohne Vorbehalt zuwendet. …Negativ formuliert: Jesus trat weder als Begründer eines neuen theo¬logischen Systems auf, noch hat er eine oder gar die römische Kirche «gestiftet». Damit soll das relative Recht der historischen Entwicklung nicht bestritten werden, aber die Grenzen einer sich dogmatisch fixie-renden Theologie oder eines fundamentalistischen Kirchenverständ¬nisses werden von daher deutlich. Die Variabilität kirchlicher Organi¬sationsformen und die Pluralität der entstandenen christlichen Kirchen haben hier ihren Grund. Kriterium der Beurteilung des geschichtlich Gewordenen kann nur sein, ob die jeweilige konkrete Gestalt von Kir¬che dem, was mit und durch Jesus begonnen hat, unter den jeweiligen soziokulturellen Bedingungen angemessen Raum gibt – oder ob durch diese Gestalt der Zugang zu Jesu Evangelium von der Gottesherrschaft eher verstellt wird (vgl. Mt 23,13).
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/perspektiven-fuer-eine-zukunft-der-kirche-i/