Hart! Aber wohl treffendDie österreichische Laien-Initiative verbreitet einen Text von Heribert Koek (em. Prof), der sehr bedenkswert ist. (1) Ratzinger/Benedikt ist durchaus nicht bloß ein alter Mann, der die Welt nicht mehr versteht und sich daher ängstlich an traditionellen Formen und Formeln festhält. (2) Ratzinger ist vielmehr ein an sich (möglicherweise einseitig) gebildeter Intellektueller, der sich aber in seine eigene Gedankenwelt so eingesponnen (»verrannt») hat, dass er zu einem Dialog nicht mehr fähig ist. (3)Vielmehr ist er zu einem Fanatiker geworden, der von der fixen Idee beherrscht wird, er müsse die Katholische Kirche vor dem vermeintlichen Untergang retten. (4) In diesem Zusammenhang hält er alle Ideen, die ihm «reformistisch» erscheinen, für den Ausfluss eines durch Relativismus und Libertinismus geprägten Zeitgeistes, dem es unter allen Umständen zu wehren gilt. (5) Das von ihm schon als Präfekt der Glaubenskongregation entworfene Konzept, das er als Papst durchsetzen will, macht sein Kirchenregiment dem Mullah-Regime im Iran ähnlich. (a) Auf die «Stimme des Volkes» kommt es nicht an. Vielmehr entscheidet der «Wächterrat» (Glaubenskongregation), zuletzt der Papst als «(Konter-) Revolutionsführer» darüber, in welche Richtung sich die Kirche bewegt. (b) Auf das «Volk» ist kein Verlass. Darum stützt man sich auf «(Konter-) Revolutionsgarden» wie das Opus Dei oder die Legionäre Christi; auch die «heimgeholten» Traditionalisten werden offenbar als ein nützlicher Stoßtrupp gesehen. (c) Weil auf das «Volk» kein Verlass ist, werden auch seine herkömmlichen kirchlichen Gliederungen (z.B. die Katholische Aktion) finanziell und anderweitig ausgehungert und das Geld zu den konservativen Gruppierungen verschoben, und zwar ohne Rücksicht darauf, ob dieselben in irgendeiner Weise für das «Volk» repräsentativ sind. (d) Das alles geschieht «ohne Rücksicht auf Verluste». Das Absterben der Volkskirche wird in Kauf genommen (daher kein Verständnis für die heute herrschende Seelsorgenot); in Lateinamerika hat man mit der Unterdrückung der mit der Befreiungstheologie sympathisierenden Basisgemeinden ebenfalls die Verbindung zum Volk abgeschnitten; das hat dazu geführt, dass die Leute im religiösen Bereich zu den Evengelikalen und den Sekten laufen, im politischen Bereich aber die «neue Linke» an die Macht bringen. (e) Es wird keine einzige konservative Position aufgegeben, vielmehr heißt es «Widerstand bis zum letzten Mann».Fortsetzung folgt morgen!
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant