Alle sind zur Tagsatzung eingeladen!

Tagsatzung über Menschen-, Welt- und GottesbilderGespräch mit der Tagsatzungs-Präsidentin Brigitte Durrer
Die nächste Tagsatzung im Bistum Basel steht unter dem recht sperrigen Titel: «Sin(n)tflut – ab in die Arche !? Menschen-, Welt- und Gottesbilder im Streit». Sie findet Mitte Mai in Steinhausen statt. Dazu ein Gespräch mit Brigitte Durrer, Präsidentin der Tagsatzung.
Warum hat die Tagsatzung ein so komplizierte Thema gewählt?Brigitte Durrer: Weil das Leben komplizierter geworden ist und weil Veränderungen und Reformforderungen in der katholischen Kirche auch mit diesem Thema zusammenhängen. Seit vielen Jahren leben wir in einem starken Wandel von Weltanschauungen und Glaubensvorstellungen. In dieser unübersichtlichen und verwirrlichen Vielfalt ist der einzelne Mensch immer mehr auf sich selbst verwiesen und muss selber versuchen, den Sinn seines Lebens zu finden. Auch als kirchliche Gemeinschaft gilt es, Standpunkte neu zu finden.
Können Sie die einzelnen Aspekte des Themas kurz erläutern?Die einzelnen Aspekte, das Bild des Menschen, jenes von Welt und von Gott, sind voneinander abhängig. Sie beeinflussen sich gegenseitig. Der Fokus des einen Bildes ist immer auch Teil der beiden anderen Bilder. Es geht immer um die Deutung unserer menschlichen Existenz inmitten der physischen Welt und der Welt des Glaubens.
Was bedeutet dies für das Menschenbild?Dieser Fokus befasst sich schwerpunktmässig mit Aspekten der Psychologie, der Anthropologie, der Soziologie, der Politik und Wirtschaft oder mit Ethik etc. und mit deren Entwicklungen.
Und wie wird das Weltbild behandelt?Der Fokus «Weltbild» setzt sich z.B. mit Naturwissenschaft, Quantenphysik und Astrophysik, mit der Evolution auseinander und eröffnet neue Zugänge im Glauben.
Und nun das Gottesbild?Dieses ist wie die Welt- und Menschenbilder seit jeher in Entwicklung und kulturell bedingt. Unsere nächsten Vorfahren lebten noch in einem kaum zu hinterfragenden Gefüge von Gottesvorstellungen und Glaubenspraxis, in einem stark einheitlichen Weltbild. Dem ist heute nicht mehr so. Die Sichtweisen haben sich verändert und diversifiziert.Die Suche zwischen religiösem Rückzug in die «Arche» und Mut zu neuen Denkansätzen kann zu lebensdienlicher Orientierung werden.
Versteht sich die nächste, die vierte Tagsatzung als Bildungsveranstaltung? Oder will sie etwas «Nachhaltiges» anstossen?Sowohl als auch: Sicherlich handelt es sich um eine Bildungsveranstaltung, wenn kompetente Fachleute ihre Kenntnisse weitergeben. Wichtig ist die Auseinandersetzung damit und daran anknüpfend jedoch die eigene und gemeinsame Reflexion, das Suchen nach eigenen und gemeinsamen Standpunkten.
Die Tagsatzung versteht sich also auch im Blick auf ihre Versammlung von Mitte Mai als Reformbewegung?Langfristig, oder eben «nachhaltig» zielt sie natürlich auf konkrete Veränderung und Reformen in der Kirche. Veränderungen liegen zwar zuerst in der Person selbst. Als christliche Kirche in der Schweiz sind wir hingegen eine Gemeinschaft. Unser kultureller und gesellschaftlicher Rahmen ist ein Europa das sich rasch ändert.Als Teil der Kirche in der Schweiz müssen wir uns gemeinsam fragen, wie denn heute ein zukunftsfähiges Christsein unter den aktuellen Bedingungen und im Licht der biblischen Botschaft aussehen könnte. Und für überzeugende Standpunkte sollten wir uns auch einsetzen in unserer Kirche.
Interview Walter Ludin
Zur Tagsatzung im Bistum Basel, sind alle Interessierten, auch aus andern Bistümern, eingeladen. Sie findet vom 13. bis 15. Mai in Steinhausen ZG statt. Anmeldung und Auskünfte: Sekretariat Verein Tagsatzung, Kreuzbuchstr. 44, 6006 Luzern; Telefon: 041 372 09 50. E-Mail: info@tagsatzung.ch . Internet: www.tagsatzung.ch

Walter Ludin

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