Wer wird sich waschen?Die Methode ist perfid: Wer nicht zugeben kann, dass sein Gegenüber Recht hat, wendet Vulgär-Dialektik an. Etwa nach dem Muster (es gibt verschiedene Varianten): Zwei Bettler, der eine verdreckt, der andere sauber, stehen vor der Pfarrhaustüre. Der Pfarrer bietet ihnen ein Bad ein. Welcher nimmt die Einladung an, sich zu waschen?- Der Dreckige. Denn er hat es nötig. – Falsch, der Saubere, denn im Gegensatz zum Dreckigen ist er es gewohnt, sich zu waschen.– -Wenn meine Antwort lautet: Der Saubere. Wird mir entgegengehalten. Nein, dieser hat es nicht nötig. Nötig hat es der Dreckige.Warum ich dies erzähle? In einem Pfarrblatt meint ein Pastoralsoziologe mit Blick auf die wenigen Priester in der Schweiz: «Man dürfe nicht vergessen, dass in andern, gerade ärmeren Ländern viel mehr Katholikinnen und Katholiken auf einen Diözesanpriester kämen.» Also: Was wollt Ihr? Alles halb so schlimm.Das andere Argumentationsmuster als Antwort auf die Klage, wir hätten zu wenige Priester. «Typisch enges schweizerisches Denken. Schaut nach Polen, nach Afrika, nach Indien. Dort wimmelt es nur so von Priesteramtskandidaten.»Was stimmt nun? Egal, was. Hauptsache, die Ruf nach Reformen wird mit Totschlag-Argumenten zum Verstummen gebracht. Allerdings nicht gerade redlich. Aber schlau schaut`s doch allemal aus…..
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant