Erschütternder AufschreiEin letzter Ausschnitt aus dem Priester-Sonderdruck «Christ in der Gegenwart». Was hier von ältern Priestern zitiert wird, ist sehr, sehr traurig. Ich wage es nicht, eigene Worte hinzuzufügen: Unser Artikel «Der Priester von heute» (siehe S. 7) hat eine außergewöhnlich starke Resonanz ausgelöst. Das Echo aus der Mitte des Gottesvolkes bestätigt, dass es bei der Priesterfrage nicht um ein Nebenthema geht. Besonders bewegt sind wir davon, wie viele Priester geschrieben haben, mit unerwartet hoher, entschiedener Zustimmung.Dass sich inzwischen viele Seelsorger durch die anhaltende bleierne Stagnation provoziert fühlen, ist ein Signal.Und ein anderes, dass die meisten Laien inzwischen resignativ schweigen. Sie haben anscheinend den Eindruck, dass alles gesagt ist, aber dass sich doch nichts bewegt – außer frommer Rhetorik. Wir wollen nicht verschweigen, dass in etlichen Mails und Briefen besonders von – älteren – Priestern ein gehöriges Maß an Zorn über weltkirchliche, bischöfliche wie oberste vatikanische, Handlungsverweigerung mitschwingt, wie man es sich kaum vorzustellen wagt. Es sind nicht selten äußerst scharfe, böse Worte über den Mangel an kirchlicher Leitungsverantwortung, mit einer Wucht, die wir hier nicht wiedergeben möchten. Folgender Aufschrei eines langgedienten Seelsorgers möge genügen, wobei wir ebenfalls manchen Ausdruck nicht zitieren können: «Nach fünfzigjährigem priesterlichem Dienst unterschreibe ich jeden Ihrer Sätze, stehe hinter jeder Ihrer Fragen, leide mit Ihnen unter dem Niedergang der Seelsorge, unter dem Schwinden der Gottesbeziehungen, vermisse die angemahnte Profilierung meines Berufes. Sind unsere Bischöfe blind? Ist unser Kirchensystem auf einer Ideologie aufgebaut, die nur noch Angst erzeugt und blinden Gehorsam verlangt? Zerreißt die Glaubensnot der Christen einem Nachfolger des Petrus das Herz? Zigtausenden in meinem Bistum bleibt die tägliche, auch die sonntägliche Eucharistiefeier vorenthalten.»
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant