Ein höchst ermutigendes Buch

Leo Karrer: Weil es um den Menschen geht. Die Wunden der Kirche und ihre Heilung. Paulusverlag 2009. ISBN-13: 978-3-7228-0771-3. 168 S., ca. Fr. 35.80.Leo Karrer, einer der profiliertesten und mutigsten Pastoraltheologen im deutschen Sprachraum, zeigt in seinem neuesten Buch, dass die Kirche «nicht nur Ort der Probleme, sondern auch der Problemlösungen» ist. Zwar ist im Untertitel von den Wunden der Kirche die Rede. Doch ganz bewusst befasst sich Karrer sehr ausführlich mit ihren Wundern (geistlg/geistlichen Reichtümern), bevor er durchaus offen und leidenschaftlich ihre Defizite anspricht. Er ruft immer wieder in Erinnerung, worum es letztlich geht: nicht um Strukturen und Institutionen, sondern um Gott, der das Glück der Menschen will. Somit relativiert er die leidigen Diskussionen um die heissen Eisen. Dennoch postuliert er mit Nachdruck, dass sie endlich angefasst werden; zum Beispiel im Rahmen einer synodalen, dh. weder monokratischen noch demokratischen Kirche. Ein Buch, das Mut macht, die Hoffnung nicht zu verlieren und mit «langem Atem» sich für die Kirche und ihre Reformen einzusetzen.
ZitatJesus ohne Chance(Im Zusammenhang mit der Weigerung der Kirchenleitung zu Reformen betr. Pflichtzölibat und Frauenpriestertum): «So wird das System verteidigt und die Pastoral verraten. Man ergeht sich zu oft in christologischen Spekulationen über das Priestertum (Priester als Repräsentant Christi), als ob es den historischen Jesus und die Ergebnisse der exegetischen Forschung nicht gegeben hätte. Gegenüber einer spekulativen Argumentation hat der historische Jesus kaum ein Einspracherecht.»Leo Karrer: Weil es um den Menschen geht. Die Wunden der Kirche und ihre Heilung. (S. 121)

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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