Weihnachtliches

Weihnachten pur(Unter diesem Titel brachte bereits im November die «Weihnachtspost» der Luzerner Rundschau einen Weihnachtsartikel von mir, geschrieben von einer freundlichen, jungen Journalistin. Ich möchte ihn euch nicht länger vorenthalten.)
Pater Ludin vom Kapuzinerkloster Wesemlin ist eigentlich kein weihnachtlicher Mensch. Zu kalt sei es ihm in dieser Jahreszeit. Trotzdem erzählt er von seinem schönsten Geschenk bislang, von rauchenden Engeln in Brasilien und dem Sinn von Weihnachten in unserer Zeit.
In den alten, ehrwürdigen Mauern des Klosters Wesemlin empfängt uns Pater Ludin. Ein Mann voller Herz und Freundlichkeit, der weiss wovon er spricht. Er kann aber nicht nur gut reden, sondern auch schreiben. So ist er Redaktor beim iTe (Illustrierte der Schweizer Kapuziner), beim Franziskuskalender und hat im Internet einen Blog – ja, auch Patres scheuen sich nicht vor den neuen Kommunikationskanälen.
Bewusst schenken«Den Blog habe ich im November 2005 zu meinem 60. Geburtstag geschenkt bekommen, ich wusste bis dahin gar nicht was das ist», lacht Pater Ludin. Schenken, Konsum und Stress sind denn für ihn auch Themen, die zu Weihnachten gehören. Er steht demkritisch gegenüber, findet, dass die Möglichkeiten zum Konsumieren grösser geworden sind. Dass man 100-seitige Prospekte mit Luxusgütern bekommt und dann nur noch auswählen muss. Mehr Masse als Klasse sei oft das Credo. Genau davon rät er aber ab. «Man sollte bewusst schenken», meint Pater Ludin. So kann Schenken und Konsum auch etwas Schönes sein. Man zeigt einem Menschen, dass man ihn mag, indem man Geld oder Fantasie für ihn einsetzt. Und was war sein schönstes Weihnachtsgeschenk, das er je bekommen hat? «Ein Kinogutschein », meint Pater Ludin verschmitzt. Denn damit sei ein Erlebnis verbunden und Zeit, die man mit einer lieben Person verbringendarf.
Stressige VorweihnachtszeitZeit sei aber in der Vorweihnachtszeit, die ja bereits im Oktober startet, Mangelware. Durch die vielen Konsumangebote,Weihnachtsessen und Geschenkeinkäufe habe man oft gar keine Gelegenheit, diese besinnliche Zeit zu geniessen. Sonntagsverkäufe im Dezember tun ihr Übriges dazu. Die Leute lassen sich von Erlebniseinkäufen leiten und vergessen das Wesentliche an Weihnachten. Was ist denn aber eigentlich das Wesentliche? «Das sind die Ursprünge im Christentum: Gottkam durch Jesus zu uns», erklärt Pater Ludin. «Heute ist es aber oft einfach ein Familienfest, das bei manchen zu einer AlibiÜbung werden kann», sagt Pater Ludin.
Brasilianisch feiernDie Frage, ob er sich denn selber auf Weihnachten freut, beantwortet er mit einem klaren Nein: «Ich bin nicht wirklichein weihnachtlicher Mensch, vor allem darum, weil es mir dann einfach zu kalt ist.» So denkt er gerne an ein ganz speziellesWeihnachten zurück: in Brasilien. Dort, bei 37 Grad, einem Plastiktannenbaum mit Watte drauf und einem Krippenspiel,wo die Engel in der Pause geraucht haben, wurde Weihnachten wieder auf das Wesentliche reduziert. Ganz ohne Schnickschnackund Klimbim. Dort erlebte er Weihnachten im eigentlichen Sinne: Freude und Liebe untereinander – Weihnachten pur eben.
Katrin Werlen

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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